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Active Sourcing: Alles was Recruiter wissen müssen

Viele Recruiter haben es schon längst bemerkt: Der Konkurrenzdruck um Talente steigt! Es reicht häufig nicht mehr aus eine simple Stellenanzeige zu schalten und zu hoffen, dass sich schon die richtigen Kandidaten/innen melden werden. Jetzt heißt es in der Personalbeschaffung in die Offensive zu gehen. Dies gelingt dir mit Active Sourcing.

In diesem Artikel erklären wir dir, was Active Sourcing ist und welche Vor- und Nachteile es hat. Außerdem zeigen wir dir die 6 wichtigsten Methoden im Active Sourcing, wie du Fehler vermeiden kannst, und wie die richtige Recruiting Software es dir so leicht wie möglich machen kann.

Was ist Active Sourcing?

Beim klassischen Recruiting finden Kandidaten/innen dein Unternehmen durch, zum Beispiel, veröffentlichte Stellenanzeigen und bewerben sich bei dir. Das Active Sourcing dreht nun den Spieß um. Du, als Recruiter, suchst aktiv nach geeigneten Talenten auf dem Arbeitsmarkt. Bereits jede zehnte Stelle wird inzwischen durch eine aktive Ansprache besetzt, laut Recruiting Trends 2018.

Active Sourcing wird heute besonders für Bereiche genutzt, in denen akuter Fachkräftemangel herrscht. Das Ziel dabei ist, hoch qualifizierte Talente schon frühzeitig für dein Unternehmen zu interessieren und eine erste Bindung herzustellen. Damit kannst du eventuell verhindern, dass sie sich bei der Konkurrenz umschauen.

Die Vor- und Nachteile des Active Sourcing

Bevor du dich sofort auf die aktive Suche machst, solltest du prüfen, ob Active Sourcing für die Besetzung deiner offenen Stellen überhaupt zielführend ist. Diese Methode der Personalbeschaffung hat zwar viele Vorteile aber auch einige Nachteile, die es abzuwägen gilt.

Vorteile

  • Du kannst schwer zu besetzende Positionen oft schneller und kostengünstiger füllen, als wenn du dich aufs klassische Recruiting verlässt.
  • Du sprichst auch passive Kandidat/innen an. Das sind Talente, die im Moment nicht aktiv auf der Jobsuche sind, eventuell aber doch an einer Neuausrichtung interessiert sind.
  • Du triffst schon bei deiner Suche eine gezielte Vorauswahl der Kandidaten/innen. Dadurch verringert sich der Aufwand beim anschließenden Bewerberauswahlverfahren.
  • Du kannst Zeit und Kosten sparen, zum Beispiel, für die Schaltung von Stellenanzeigen.

Nachteile

  • Am Anfang wirst du erstmal mehr Zeit einplanen müssen, um die richtigen Kanäle und Methoden für deine Zielgruppen auszuwählen.
  • Wenn die aktive Suche eine neue Herangehensweise für dein Unternehmen ist, dann muss das Recruiting Team oft erst geschult werden, um wirklich effizient arbeiten zu können.
  • Eventuell muss dein Recruitingteam auch umstrukturiert oder aufgestockt werden, damit sich jemand voll auf die aktive Suche konzentrieren kann.

Die 6 wichtigsten Methoden im Active Sourcing

Da das Talent Sourcing teilweise sehr aufwendig sein kann, solltest du mit den besten Methoden vertraut sein, die dich am ehesten ans Ziel führen. Wir haben die 6 wichtigsten zusammengestellt.

1. Den eigenen Talent Pool anzapfen

Für die aktive Ansprache ist die bestehende Datenbank an Talenten unerlässlich. Diese könnte mit ehemaligen Praktikanten/innen oder Bewerber/innen gefüllt sein, die jetzt auf die Anforderungen deiner offenen Stelle passen. Hier solltest du immer deine aktive Suche beginnen, denn mit diesen Kandidaten/innen hattest du bereits Kontakt und es besteht eine Verbindung. Das erhöht die Chancen für positive Rückantworten.

2. Das Profile Mining auf sozialen Netzwerken

Das soziale Recruiting wird immer beliebter. Hierbei suchst du in professionellen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn nach Profilen von geeigneten Kandidaten/innen. Über die erweiterte Suche kannst du den Kreis der Talente, die für dich infrage kommen, immer weiter eingrenzen. So kannst du, beispielsweise, nach Kriterien wie der aktuellen Position, demografischen Angaben und Fähigkeiten filtern.

Um eine optimale Ausgangssituation für die Ansprache interessanter Talente zu schaffen, solltest du dein Employer Branding stetig verbessern. Wenn du professionell und aktiv in den sozialen Medien auftrittst, können sich Kandidaten/innen schon einen ersten Eindruck von deinem Unternehmen verschaffen. Wenn dieser durchweg positiv ist, steigert das die Chancen, dass du Antworten auf deine Anfragen erhältst.

3. Die Open Web Search

Damit ist im Grunde das “googeln” von relevanten Begriffen gemeint, die dich zu geeigneten Kandidaten/innen führen könnten. Um dabei möglichst effizient vorzugehen, kannst du dir die Boolesche Suche zu Nutze machen. Damit baust du ganz einfach komplexe Suchketten auf, die meist viel hochwertigere Ergebnisse liefern als ein einziger Suchbegriff allein.

Hier sind die wichtigsten Booleschen Operatoren, die du einsetzen kannst:

AND – Verknüpft zwei oder mehrere Schlagworte, sodass alle diese in den Suchergebnissen vorhanden sein müssen. Damit kannst du deine Suche eingrenzen, falls sie zu breit gefächert war.

OR – Es muss mindestens einer der aufgelisteten Suchbegriffe in den Ergebnissen vorkommen. Damit weitest du deine Suche aus.

NOT – Ein oder mehrere Schlagworte kannst du damit ausschließen, sodass diese nicht in den Suchergebnissen enthalten sein werden.

Klammern (…) – Die Klammern in der Booleschen Suche funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie in der Mathematik. Mit ihnen organisierst du deine Suchkette und legst fest, was Priorität hat.

Anführungszeichen “…” – Wenn du ein oder mehrere Schlagworte mit Anführungszeichen versiehst, dann behandelt die Suchmaschine diese als einen separaten Suchbegriff. Damit grenzt du deine Suche ein.

Sternchen * – Du kannst ein Sternchen an einen Wortstamm anhängen, um so Suchergebnisse mit mehreren Varianten dieses Wortes anzeigen zu lassen. Das ist besonders effektiv, wenn mehrere Versionen eines Wortes genutzt werden. Deine Suche wird so erweitert.

Hier findest du unseren englischsprachigen Artikel mit ausführlichen Tipps und Tricks zur Booleschen Suche: Boolean Search in Recruitment.

4. Die CV Database Research

Viele Jobbörsen bieten inzwischen Lebenslaufdatenbanken an, die du nach deinen Suchkriterien durchforsten kannst, um so auf geeignete Kandidaten/innen zu stoßen. Aber auch einfach über Google kannst du nach ganzen Lebensläufen suchen. Dies kann sich lohnen, denn du bekommst sofort mehr Informationen über die Talente als auf den Profilen in den sozialen Medien veröffentlicht ist.

5. Referral Sourcing

Hierbei suchst du nach Kontakten deiner aktuellen Mitarbeiter/innen, die sich eventuell für offene Positionen in deinem Unternehmen interessieren und eignen. Die Chance ist hier höher eine positive Antwort zu bekommen, denn es besteht schon eine Verbindung durch den/die Mitarbeiter/in. Auch Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme sind für das Referral Sourcing geeignet.

6. Harvesting

Beim Harvesting suchst du einen einzigen Kanal systematisch auf spezielle Kriterien hin ab. Du erntest ihn sozusagen ab, bis du dir sicher sein kannst, dass du keine/n geeignete/n Kandidat/in übersehen hast. Das kann recht aufwendig sein und wird generell dann eingesetzt, wenn vorherige Methoden kein zufriedenstellendes Ergebnis erbracht haben.

Active Sourcing offline betreiben

Auch wenn sich das Recruiting und die aktive Suche stark online verlagert haben, sind Offline-Kanäle trotzdem nicht zu unterschätzen. Wenn du interessante Talente direkt durch ein persönliches Gespräch kennenlernst, dann schafft das einen anderen Eindruck als eine simple E-Mail oder LinkedIn-Nachricht. Zum einen kannst du direkt abwägen, ob diese Person ins Unternehmen passt. Zum anderen kannst du schneller und besser etwaige Fragen deines Gegenübers zur Firma beantworten.

Die geknüpften Kontakte können dann direkt in deinen Talent Pool einfließen. Hier sind ein paar Möglichkeiten, bei denen du Talent Sourcing auch offline betreiben kannst:

  • Recruiting-Veranstaltungen an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen
  • Eigene Veranstaltungen wie ein Tag der offenen Tür oder ein Karriereabend
  • Job- und Karrieremessen

Typische Fehler vermeiden

Sobald du geeignete Kandidaten/innen durch deine aktive Suche identifiziert hast, heißt es diese zu kontaktieren. Dabei machen viele Unternehmen leicht zu vermeidende Fehler. Sie versenden unpersönliche Standardnachrichten und wundern sich später, warum ihr Active Sourcing nicht zum Erfolg führt. Bei der Direktansprache ist einfach etwas Fingerspitzengefühl gefragt, denn heiß umkämpfte Fachkräfte können sich meist vor Anfragen kaum retten.

Mit diesen Tipps kannst du Fettnäpfchen leicht umgehen:

  • Recherchiere die wichtigsten Informationen über den/die Kandidat/in, sodass du ihn/sie individuell ansprechen kannst.
  • Erwähne die wichtigsten Informationen bereits im ersten Paragrafen deiner Nachricht.
  • Vermeide unpersönliche Standardformulierungen und Massennachrichten.
  • Zeige die Vorteile für den/die Kandidat/in auf und warum es sich lohnt mit deinem Unternehmen in Kontakt zu bleiben.
  • Gib einen klaren Call-to-Action. Was soll dein Kontakt als Nächstes tun?

In unserem Blogpost erfährst du, wie du die Direktansprache von Kandidaten/innen meisterst.

Wie dir Recruiting Software beim Active Sourcing helfen kann

Eine Recruiting Software wie Recruitee kann dir die aktive Suche nach Kandidaten/innen und das managen deiner Talent Pools deutlich erleichtern. Damit kannst du dein Talent Sourcing sogar weitgehend automatisieren.

Zum Beispiel hilft dir die integrierte Chrome-Sourcing-Erweiterung dabei problemlos Kandidaten/innen auf Websites ausfindig zu machen. Du sparst dir außerdem Zeit, da Daten vorausgefüllt werden und Kandidaten/innen direkt in dein Recruitee-Konto exportiert werden.

Du kannst auch einfach mehrere Talent Pools erstellen und so ein Netzwerk von qualifizierten Fachkräften für deinen zukünftigen Bedarf aufbauen. Diese Talent Pools lassen sich ganz einfach verwalten, damit du immer auf dem neuesten Stand bei deinen besten potenziellen Kandidat/innen bleibst.

Fazit

Auf Active Sourcing verzichten kann heute wohl kein Recruiter mehr. Wenn du es meisterst, sicherst du deinem Unternehmen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die Talente. Personalengpässen und -ausfällen kannst du so vorbeugen. Außerdem ist die aktive Suche heute einfacher als nie zuvor dank Google und sozialer Netzwerke. Zudem kannst du immer noch auf bewährte Offline-Kanäle wie Karrieremessen zurückgreifen.

Bereite dich auf eine Experimentierphase vor, wenn du mit der aktiven Suche beginnst. Plane etwas Zeit ein um herauszufinden welche Methode und welcher Kanal am besten für dein Unternehmen funktioniert.

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