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Arbeitszufriedenheit: Der Weg zu glücklichen Mitarbeitern

Zufriedene und motivierte Mitarbeiter/innen, die sich aktiv für das Unternehmen engagieren – welcher Arbeitgeber möchte das nicht. Leider sieht die Realität anders aus. Laut des Gallup Engagement Index 2018 machen drei von vier Angestellten nur Dienst nach Vorschrift und ganze 14 % haben bereits innerlich gekündigt. Schätzungen zufolge kostet dies die deutsche Volkswirtschaft bis zu 103 Milliarden Euro pro Jahr. Es wird also höchste Zeit, dass das Thema Arbeitszufriedenheit in den Vordergrund rückt. 

In diesem Artikel erfährst du, was es mit der Zufriedenheit am Arbeitsplatz auf sich hat. Wir beleuchten, warum sie so wichtig ist, welche Formen es gibt und welche Faktoren darauf Einfluss haben. Außerdem geben wir dir noch fünf Tipps, mit denen du aktiv die Zufriedenheit deiner Belegschaft steigern kannst. 

Wenn du wissen möchtest, wie du die Mitarbeiterzufriedenheit am besten misst, dann haben wir auch dafür einen passenden Artikel für dich. 

Was ist Arbeitszufriedenheit? Eine Definition

In der Organisationspsychologie wird Arbeitszufriedenheit als die gefühlte, positive Einstellung eines/r Mitarbeiter/in gegenüber seiner/ihrer Arbeit beschrieben. Im Gegensatz dazu ist Arbeitsunzufriedenheit als eine negative Einstellung zu verstehen. Individuelle Erwartungshaltungen und Erfahrungen beeinflussen das Gefühl der Zufriedenheit stark. Hohe Erwartungen führen leider schnell zu Enttäuschungen. Und schlechte Erfahrungen dämpfen die Stimmung.  

Oft wird Arbeitszufriedenheit in einem Atemzug mit dem Arbeitsklima genannt. Dieses bezeichnet die durchschnittliche Zufriedenheit oder Unzufriedenheit aller Mitarbeiter/innen. Wenn die meisten Angestellten zufrieden sind, wirkt sich das positiv auf das Arbeitsklima der Abteilung oder des ganzen Unternehmens aus. Gleichzeitig kann auch ein negatives Arbeitsklima auf die Stimmung der Einzelnen drücken. 

Warum ist Arbeitszufriedenheit wichtig?

Es ist eigentlich offensichtlich: In einem guten Arbeitsklima ist es viel einfacher Höchstleistungen zu erbringen. Schafft das Unternehmen positive Arbeitsbedingungen, macht das die Mitarbeiter/innen glücklich, welche wiederum der Firma Gutes tun. Eine Win-Win-Situation für alle – mit diesen konkreten Vorteilen:

#1 Mehr Motivation

Die Mitarbeitermotivation ist stark an die Zufriedenheit gekoppelt. Wenn Mitarbeiter/innen unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation sind, dann verlieren sie auch schnell jeden Antrieb. Das kann geschehen, wenn die Arbeit nicht wertgeschätzt wird oder Ideen und Vorschläge immer wieder abgeschmettert werden. 

Irgendwann bringen sich die Angestellten immer weniger ein und empfinden ihre Arbeit als sinnlos. Dies führt letztendlich dazu, dass ihre Leistung erheblich nachlässt. Im Gegensatz dazu sind zufriedene Mitarbeiter/innen automatisch motivierter und bereit auch über sich hinauszugehen, um dem Unternehmen und dessen Kunden zu helfen. 

#2 Weniger Fehlzeiten

Unzufriedenheit mit dem Job kann auch gesundheitliche Folgen für die Einzelnen haben. So empfinden unzufriedene Mitarbeiter/innen oft mehr Stress und sind tendenziell häufiger krank als glückliche Kolleg/innen. In den schlimmsten Fällen kann dauerhafte Unzufriedenheit zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout führen. 

Ein verstärktes Krankheitsaufkommen geht immer auch mit steigenden Fehlzeiten einher, welche sich finanziell negativ auf das Unternehmen auswirken. Dies dämpft im Umkehrschluss die Zufriedenheit aller Teammitglieder, wenn diese zusätzlich die Arbeit von fehlenden Kollegen/innen übernehmen müssen. Dagegen sind zufriedene Angestellte weniger krank und Fehlzeiten werden auf ein Minimum reduziert. 

#3 Niedrige Fluktuationsrate

Ändert sich eine negative Situation auf Dauer nicht, schauen sich Mitarbeiter/innen früher oder später nach einem neuen Arbeitsplatz um und verlassen die Firma. Eine hohe Fluktuationsrate kann gravierende Folgen haben. Offene Stellen müssen schnell wieder mit neuen Kolleg/innen gefüllt werden, damit das Arbeitspensum bewältigt und die Unternehmensziele erreicht werden können. Allerdings ist es oft nicht einfach qualifizierte Talente zu finden, besonders im vorherrschenden War for Talents

Dagegen ist eine zufriedene Belegschaft viel eher dem Unternehmen langfristig verbunden. Durch eine hohe Mitarbeiterbindung sinkt die Fluktuationsrate. 

#4 Besseres Image

Auch auf das Arbeitgeberimage hat die Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen Einfluss. Ein negatives Arbeitsklima dringt irgendwann nach außen und untergräbt jeden Aufwand qualifizierte Arbeitskräfte für das Unternehmen zu begeistern. Eventuell hinterlassen aktuelle oder ehemalige Angestellte sogar schlechte Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsportalen. Auch Bewerber/innen können eine schlechte Stimmung wahrnehmen und deshalb den Bewerbungsprozess vorzeitig abbrechen oder schon während der Probezeit wieder kündigen.

Im Gegensatz dazu begeistern sich zufriedene Arbeitnehmer/innen für ihre Aufgaben und das Unternehmen. Genau das tragen sie nach draußen, beispielsweise über die sozialen Medien. Das stärkt das Employer Branding und trägt letztendlich zum Unternehmenserfolg bei. 

arbeitszufriedenheit - recruitee

Welche Formen der Arbeitszufriedenheit gibt es?

Zufriedenheit ist nicht gleich Zufriedenheit. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Die Arbeitspsychologin Agnes Bruggemann hat dazu das sogenannte Zürcher Modell entwickelt. In diesem wird die Arbeitszufriedenheit als Soll-Ist-Vergleich zwischen den Erwartungen und tatsächlichen Gegebenheiten im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse dargestellt. 

Das Modell unterscheidet zwischen sechs Formen der Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit:

  • Progressive Arbeitszufriedenheit: Stimmen die Bedürfnisse mit der tatsächlichen Situation überein, dann fällt der Soll-Ist-Vergleich positiv aus. Dadurch steigt das Anspruchsniveau der Arbeitnehmer/innen.
  • Stabilisierte Arbeitszufriedenheit: Auch hier fällt der Vergleich positiv aus und die Erwartungen werden erfüllt. Allerdings bleiben die Ansprüche unverändert.
  • Resignative Arbeitszufriedenheit: In diesem Fall fällt der Soll-Ist-Vergleich negativ aus. Folglich sinkt das Anspruchsniveau, um ein Gleichgewicht herzustellen. 
  • Pseudo-Arbeitszufriedenheit: Bei dieser Form fällt der Soll-Ist-Vergleich negativ aus, aber das Anspruchsniveau bleibt unverändert. Der/die Arbeitnehmer/in nimmt die Situation geschönt wahr.
  • Fixierte Arbeitsunzufriedenheit: Auch hier fällt der Vergleich negativ aus, ohne das Anspruchsniveau zu verändern. In diesem Fall nimmt der/die Mitarbeiter/in seine/ihre Arbeitssituation so hin, wie sie ist.
  • Konstruktive Arbeitsunzufriedenheit: Der negative Soll-Ist-Vergleich ändert auch in diesem Fall nichts am Anspruchsniveau des/r Arbeitnehmer/in. Stattdessen spornt es zur Veränderung an. Der/die Mitarbeiter/in bemüht sich aktiv um einen Jobwechsel oder eine Weiterbildung.

Welche Faktoren beeinflussen die Arbeitszufriedenheit?

Da die Wissenschaft sich schon lange mit der Frage beschäftigt, was Mitarbeiter/innen am Arbeitsplatz glücklich macht, wurden bereits allerlei Theorien entwickelt. Diese helfen zu verstehen, was Arbeitnehmer/innen im Hinblick auf ihre Zufriedenheit wirklich wichtig ist.

Den Grundstein legt Maslows Bedürfnispyramide, welche besagt, dass alle Arbeitnehmer/innen versuchen fünf grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen: 

  1. Physiologische Bedürfnisse
  2. Sicherheit
  3. Soziale Kontakte
  4. Wertschätzung
  5. Selbstverwirklichung

Nur wenn alle Bedürfnisse befriedigt sind, kann sich Zufriedenheit einstellen. Frederick Herzberg nutzte diesen Ansatz und entwickelt daraus die Zwei-Faktoren-Theorie. Nach dieser gibt es zwei Hauptfaktoren, welche die Zufriedenheit beeinflussen: die Hygienefaktoren und die Motivationsfaktoren. 

Die Hygienefaktoren sind unumgänglich und werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Werden sie nicht oder unzureichend erfüllt, herrscht Unzufriedenheit. Hierzu zählen: 

  • Adäquate Arbeitszeiten und -bedingungen
  • Ein Arbeitsplatz mit aller erforderlicher Ausstattung
  • Ein Führungsstil auf Augenhöhe
  • Teamgeist und Hilfsbereitschaft unter den Kolleg/innen
  • Ein sicherer Arbeitsplatz ohne permanente Angst vor Kündigung
  • Eine angemessene Vergütung 

Allerdings stellt sich durch das Vorhandensein der Hygienefaktoren nicht unbedingt eine tiefe Zufriedenheit ein. Für diese sorgen erst die Motivationsfaktoren. Hierzu zählen:

  • Wertschätzung und Anerkennung
  • Interessante, herausfordernde Aufgaben
  • Sinn in der Arbeit zu finden
  • Die Möglichkeit haben Neues zu lernen 
  • Mehr Verantwortung übernehmen
  • Selbstbestimmtes Arbeiten
  • Aufstiegschancen 
  • Erfolgserlebnisse

Sei gewarnt, dass Motivationsfaktoren fehlende Hygienefaktoren nicht oder nur teilweise ausgleichen können. In der Praxis sind also idealerweise beide Faktoren gut ausgeprägt. Dann klappt es auch mit der Zufriedenheit.

5 Tipps für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz 

Wie kannst du die Zufriedenheit deiner Mitarbeiter/innen steigern? Indem du erst einmal alle Probleme, die Unmut verursachen ausmerzt. Laut einer Studie sollen 70 % der Faktoren, die zur beruflichen Unzufriedenheit führen, direkt mit dem Vorgesetzten zusammenhängen. Bei der Mitarbeiterführung anzusetzen ist also eine gute Idee, aber es gibt noch mehr, was du tun kannst. Hier sind unsere Tipps:

  1. Führungsarbeit optimieren: Mitarbeiter/innen wissen eine offene und transparente Kommunikation zu schätzen. Sie möchten erfahren, wie ihre Arbeit zum Unternehmenserfolg beiträgt und das sie etwas bewirken. Durch regelmäßiges Feedback und Mitarbeitergespräche können deine Angestellten für gute Leistungen gelobt und zu Verbesserungen motiviert werden. Wichtig dabei ist, dass die gesetzten Ziele immer realistisch bleiben.
  2. Entwicklungsmöglichkeiten anbieten: Besonders bei den Generationen Y und Z wächst der Drang zur Selbstverwirklichung. Ein Job soll nicht nur den Lebensunterhalt verdienen, sondern sie auch persönlich weiterbringen. Unternehmen, die individuelle Entwicklungspläne erstellen und Maßnahmen wie Mentoring, Coaching und Auslandsaufenthalte anbieten, werden zu gefragten Arbeitgebern. 
  3. Flexibilität und Selbstbestimmung fördern: Wenn Führungskräfte jeden noch so kleinen Arbeitsschritt ihrer Teammitglieder vorgeben und kontrollieren wollen, dann ist das ein Zeichen für Mikromanagement. Das fehlende Vertrauen in die Angestellten untergräbt auf Dauer deren Zufriedenheit. Stattdessen sollten Vorgesetzte ihre Mitarbeiter/innen zu autonomen Arbeiten antreiben, sowie flexibel sein, wie, wann und wo die Arbeit durchgeführt wird. Mit Home-Office und flexiblen Arbeitszeiten stellen die Arbeitnehmer/innen ihre Work-Life-Balance her und damit Zufriedenheit. 
  4. Gesundheit unterstützen: Ein gesunder Geist wohnt bekanntlich in einem gesunden Körper. Mit Angeboten wie Sportkursen, Ernährungsberatung oder Zuschüssen für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio schlagen Firmen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Gesunde, fitte Mitarbeiter/innen sind nicht nur weniger krank, sondern auch motivierter und ausgeglichener. Außerdem weiß es die Belegschaft zu schätzen, wenn sich das Unternehmen um ihr Wohlbefinden sorgt.
  5. Finanzielle Vorteile schaffen: Geld ist und bleibt ein Motivator für Mitarbeiter/innen. Sogar kleine finanzielle Anreize wie Gutscheine, Rabatte für die eigenen Produkte und Dienstleistungen oder Fahrtkostenzuschüsse können schon eine große Wirkung zeigen. Diese kosten das Unternehmen nicht viel, werden oftmals aber mehr wertgeschätzt als eine Gehaltserhöhung.

Arbeitszufriedenheit und Recruiting

Den Grundstein für die Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen legen Unternehmen schon lange vor dem ersten Arbeitstag. Beginne damit, eine positive Candidate Experience für deine Bewerber/innen zu schaffen. Das klappt ganz unkompliziert mit einer Recruiting Software wie Recruitee. So sorgst du dafür, dass die besten Kandidat/innen im Auswahlprozess bleiben. Organisiere dann ein durchdachtes Onboarding Programm, welches die neuen Kolleg/innen effektiv in den Arbeitsalltag integriert. Damit steht der langfristigen Zufriedenheit und einer guten Zusammenarbeit nichts mehr im Wege.

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