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Burnout Ursachen und was Arbeitgeber tun können

Abends von der Arbeit heimkommen, das Essen aus dem Tiefkühlfach warm machen und sich erschöpft aufs Sofa legen: Wir alle kennen diese Tage, an denen wir nur noch müde nach einem langen Arbeitstag sind. Wenn man aber vor Erschöpfung nicht mehr schlafen kann oder keine Lust mehr hat, überhaupt ins Büro zu gehen, wird es ernst. Das können nämlich erste Zeichen eines Burnouts sein.

Die AOK zählte 2018 durchschnittlich 5,7 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 1.000 Mitglieder*innen aufgrund einer Burnout Diagnose. Damit hat sich die Diagnosehäufigkeit im letzten Jahrzehnt beinahe verdreifacht. In Deutschland fehlte in 2019 jede*r 18. Arbeitnehmer*in wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Ausgehend von den Daten zum Burnout der DAK-Gesundheit waren damit hochgerechnet 2,2 Millionen Menschen betroffen. Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, mehr als verdreifacht. Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer*innen mit der Diagnose Depression. Fehltage wegen Anpassungsstörungen stiegen in den vergangenen Jahren besonders deutlich an. Das sind zentrale Ergebnisse des Psychoreports 2019 der DAK.

Der Begriff Burnout kann durchaus mit “ausgebrannt sein” wörtlich übersetzt werden. Es gibt unterschiedliche Definitionen, wie der Begriff genauer gefasst werden kann. Viele verstehen ihn als einen Prozess, der zunehmend sowohl zu körperlicher Erschöpfung als auch zu mentaler Isolation führt. Er kann aber auch mit Anzeichen von Depressionen und einer immer mehr nachlassenden Arbeitsleistung einhergehen. Die WHO hat Burnout nicht als Krankheit, aber als mit der Arbeit verbundenes Phänomen bezeichnet. Auch in den Katalogen der deutschen Krankenkassen ist Burnout nicht eingetragen, es werden oft aber die Begleiterscheinungen diagnostiziert.

Einig sind Fachleute sich darin, dass Burnout von Stress und Unzufriedenheit sowie Überforderung am Arbeitsplatz ausgelöst wird, wobei diese Ursachen über einen gewissen Zeitraum kumulieren. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse sind Beschäftigte in sozialen Berufen wie zum Beispiel Ärzt*innen, Altenpfleger*innen, Krankenpfleger*innen, Lehrer*innen, Priester*innen, Psycholog*innen oder Sozialarbeiter*innen besonders betroffen. Man findet Burnout-Kranke aber auch in anderen Berufsgruppen, wie in der Werbung, Marketing und IT.

Symptome von Burnout

Wer an dem Burnout-Syndrom leidet, wird dieses zunächst an einer allgemeinen Erschöpfung spüren, die weit über den Arbeitstag hinausreicht. Das ist eines der ersten Burnout-Anzeichen, gerade wenn es über einen längeren Zeitraum hinweg anhält.

Es gibt aber auch eine Vielzahl anderer Signale und Symptome für einen Burnout:

  • Innerliche Distanzierung vom Arbeitsplatz und den damit verbundenen Aufgaben
  • Geringere Belastbarkeit und Effizienz
  • Stimmungsschwankungen
  • Unkonzentriertheit
  • Frustration
  • Schlafstörungen
  • Verminderter oder erhöhter Appetit
  • Erhöhter Alkoholgenuss
  • Magendam- und Rückenbeschwerden, Muskelschmerzen durch Verspannung
  • Anfälligkeit für Krankheiten
  • Leichte bis schwere Depressionen
  • Verringerung von sozialen Kontakten bis zur kompletten Isolierung
  • Angst- und Panickattacken
  • Arbeiten, ohne ein Ende zu finden
  • Profilierungszwang
  • Niedergeschlagenheit, Gefühl der Leere

Das sind aber nur einige Symptome. Weil es sich beim Burnout um ein Syndrom mit mentalen Ursachen handelt, können sich unterschiedliche psychische und physische Symptome zeigen. So kann übersteigerte Fröhlichkeit ebenso ein Signal für eine Überarbeitung sein, ebenso zwanghaftes Frühkommen. Es ist häufig der Fall, dass ein Burnout sich langsam, sogar über Jahre hinweg aufbaut. Irgendwann kommt dann das Fass zum Überlaufen, nicht selten als ein körperlicher und/oder psychischer Zusammenbruch. Spätestens dann ist ärztliche Hilfe unumgänglich.

Ursachen für Burnout

Burnouts entstehen im Arbeitsumfeld. Sie werden ausgelöst durch Stress, der nicht mehr abgebaut werden kann. Im Normalfall hast du bei einem stressigen Tag am Ende die Erleichterung, die Aufgabe noch erledigt zu haben. Oder kannst sie auf Morgen verschieben. Beim Burnout fehlt diese Erleichterungsphase. Du befindest dich stattdessen ständig auf einem hohen Stresslevel. Es gibt unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze, warum das der Fall ist, aber ihnen gemein ist die Unfähigkeit, Stress rechtzeitig abzubauen.

Die Ursache für den Stress ist aber gar nicht dieser selbst, sondern fehlende Kenntnisse, damit umzugehen und ihn zu reduzieren. Beim Burnout bist du in einer Stressspirale gefangen, die den Druck immer weiter aufrechterhält. Das ist umso häufiger der Fall, wenn deine Anforderungen an dich sehr hoch sind. Selbst wenn du sie erfüllen kannst, spürst du den Druck. Aus der Angst, zu versagen, wird irgendwann ein Selbstzweifel bis hin zu dem Punkt, an dem du glaubst, dass du für den Job nicht geeignet bist. Und dabei muss sich nicht einmal jemand beschwert haben.

Die Burnoutdiagnose

Wenn du wissen willst, ob du selbst vom Burnout betroffen bist oder Mitarbeiter*innen helfen willst, dann gibt es mehrere Möglichkeiten einer Diagnose. Als erstes solltest du dir die Liste der Symptome am Anfang des Artikels anschauen. Wenn viele Punkte auf dich zutreffen, könntest du Anzeichen von Ausgebranntsein haben.

Es gibt auch Burnout Tests im Internet, die auf Fragebasis ermitteln können, wie gefährdet du bist. Mit so einem Selbsttest werden ebenfalls bestimmte Symptome abgefragt und dann statistisch ausgewertet. Als Ergebnis bekommst du eine Einschätzung, wie es um dich steht. Diese Tests können ein Hinweis sein, aber keine Ärzte ersetzen. Es ist immer besser, Hausärzt*innen oder auf Burnout spezialisierten Psycholog*innen aufzusuchen und eine genaue Diagnose zu erhalten.

Therapien und Behandlungen bei Burnout

Wenn dir ein Arzt*Ärztin oder ein*e Psycholog*in einen Burnout diagnostiziert hat, dann hängt die Behandlung zunächst einmal von der Schwere der Symptome ab. Grundsätzlich gilt: Je früher das Problem erkannt wird, umso schneller greifen Therapiemöglichkeiten. So werden bei frühen Symptomen zunächst einmal Gesprächstherapien versucht. In diesen lernen die Patient*innen, ihre Probleme zu benennen, sich damit auseinanderzusetzen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Bei einer mittleren Erkrankung durch Burnout kann eine Krankschreibung des*der Arztes*Ärztin wegen Erschöpfung erfolgen. Damit wirst du zunächst ein paar Tage aus dem Gefecht gezogen und kannst zur Ruhe kommen. Es kommt häufig vor, dass besonders ambitionierte Mitarbeiter*innen “vergessen”, ihren Urlaub zu nehmen und selbst am Wochenende zu Hause arbeiten. Wenn es dann zu viel wird, muss ein*eine Ärztin*Arzt die Notbremse ziehen.

Wie lange eine Therapie dauert, hängt von der erkrankten Person ab und der Stärke der Symptome. Es kann einige Wochen dauern, bei schweren Fällen auch Monate. Es gibt Menschen, die nie wieder in ihren ursprünglichen Beruf zurückgekehrt sind. Aber es kann auch sein, dass Angestellte nach einem Monat wieder auf der Matte stehen. Eine solche Erkrankung braucht Zeit und wöchentliches Nachfragen ist da eher kontraproduktiv.

Krankschreibung bei Burnout

Da der Burnout selbst keine Krankheit ist, die von den Krankenkassen anerkannt ist, werden die meisten Krankschreibungen wegen der begleitenden Symptome ausgestellt. Manche Ärzt*innen diagnostizieren Erschöpfungszustände und Depressionen, andere schreiben Mitarbeiter*innen wegen Magen-Darm- oder Kreislaufproblemen krank. Das ist alle übrigens auch rechtens, da es sich ja um reale Symptome handelt.

Bei einer Krankschreibung musst du als Arbeitgeber*in mindestens 6 Wochen lang das volle Gehalt auszahlen – übrigens inklusive üblicher Überstunden und Prämien. Arbeitet die kranke Person länger als 5 Jahre in deinem Unternehmen, dann betragt die Lohnfortzahlung 8 Wochen, aber 15 Jahre sind es dann 12 Wochen. Nach dem Ende der vollen Lohnzahlung haben die Mitarbeiter*innen außerdem noch Anspruch auf vier Wochen halbes Gehalt.

Prävention und Wiedereingliederung nach Burnout

Mitarbeiter*innen mit Burnout fallen nicht nur in der Produktion aus, sie verursachen auch hohe Kosten. Umso sinnvoller ist es, Burnout zu vermeiden. Das kann durch eine Vielzahl von Maßnahmen geschehen. Es gib natürlich keine Garantie, dass sich einzelne Mitarbeiter*innen ausgebrannt fühlen, aber du kannst zumindest einen Rahmen schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und in der Lage sind, Stress auch abzubauen.

Betriebsklima

Ein Unternehmen mit einer von den Beschäftigten geschätzten Kultur und einem entspannten Betriebsklima bietet ein Umfeld, in dem Burnout-Probleme weniger oft entstehen können. Wenn deine Mitarbeiter*innen zufrieden sind mit der Arbeit und dem Arbeitsplatz sowie den Kolleg*innen, dann wird weniger Druck aufgebaut. Es gibt viele verschiedenen Möglichkeiten, das Betriebsklima zu verbessern, von Teambuilding bis zu Feedback-Loops mit der Geschäftsführung und offenen Gesprächsrunden.

Arbeitsbelastung reduzieren

Eine große Gefahr bei sehr motivierten Mitarbeiter*innen kann sein, dass sie zu viel arbeiten. Die Gründe sind unterschiedlich, mache haben wirklich Spaß am Projekt, anderer wollen die Deadline nicht verpassen oder finden einfach kein Ende. Es kann auch sein, dass Angestellte sich aus finanziellen Gründen für Doppelschichten eintragen und das irgendwann rein körperlich nicht mehr bewerkstelligen können.

Und dann ist da noch das Problem der ständigen Erreichbarkeit per Smartphone, Messenger und E-Mail. Das ist am leichtesten abzustellen: Nach Arbeitsende keine berufliche Kommunikation mehr, auch keine E-Mail von der Abteilungsleitung um 22 Uhr mit der Bitte, einen Auftrag doch bitte gleich am Morgen zu erledigen. Das kann unter Umständen sogar ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht oder den Arbeitsvertrag sein.

Das Thema Burnout am Arbeitsplatz ansprechen

Viele Menschen haben schon von Burnout gehört, kennen aber die Symptome und frühen Anzeichen nicht. Du kannst zweimal im Jahr – zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Krankenkassen oder einem Arzt – Fortbildungsveranstaltungen anbieten. Darin lernen die Angestellten, wie sie bei sich Zeichen deuten können aber ebenso wie sie auch auf Kolleg*innen achten können. Denn sehr oft wäre schon geholfen, wenn Mitarbeiter*innen Veränderungen bei den Kolleg*innen feststellen und ihnen Gespräche anbieten.

Burnout Anzeichen ernst nehmen

Wenn Mitarbeiter*innen zu dir kommen und sich über Burnout beklagen, dann solltest du das ernst nehmen. Es reicht nicht zu sagen “ruhen Sie sich mal ein paar Tage aus, dann wird das schon.” Stattdessen solltest du versuchen, zunächst die Symptome zu erfahren und dann darüber zu sprechen, wie du als Vorgesetzte*r helfen kannst. Manchmal sind es Dienstpläne, die geändert werden können oder Produktionszahlen, die realistischer gestaltet werden müssen. Empathie spielt hier eine große Rolle: Nur weil du die geschilderten Probleme der Beschäftigten nicht als schwerwiegend empfindest, ist das für die Betroffenen nicht so. Sie werden eine andere Sicht haben, und du solltest versuche, diese zumindest zu verstehen.

Burnout Seminare zur Prävention

Krankenkassen und Psycholog*innen bieten Seminare an, in denen über Ursachen, Anzeichen und Prävention von Burnout gesprochen wird. Solche Veranstaltungen können unter Umständen auch bei dir im Unternehmen durchgeführt werden. Die Teilnehmer*innen lernen dabei das Problem Burnout kennen und wie sie am Arbeitsplatz sich und anderen helfen können, diese Erkrankung zu vermeiden.

Arbeitsaufnahme nach einem Burnout

Wenn Mitarbeiter*innen wegen einem Burnout längere Zeit ausgefallen sind und wiederkommen wollen, ist erst einmal ein Gespräch angesagt. Meistens werden sie eine Therapie gemacht haben, die ihnen aufgezeigt hat, wo ihre Stressquellen liegen und wie sie damit umgehen können. Das muss dann aber auch am Arbeitsplatz umgesetzt werden. Empfohlen ist eine langsame Wiedereingliederung nach Burnouts, zum Beispiel mit reduzierten oder flexiblen Arbeitszeiten.

Burnout im Homeoffice

Auch im Homeoffice kann es einen Burnout geben. Gerade dann, wenn beruflicher und familiärer Stress räumlich dicht zusammen entstehen, sind Mitarbeiter*innen gefährdet. Sie können das Gefühl haben, mehr arbeiten zu müssen, weil eine Kontrolle fehlt oder sie Angst haben, nicht genügend Leistung zu bringen. Du kannst dem mit klaren Regeln zum Home-Office und den Performance-Messungen begegnen. In der Regel sind Home-Office-Arbeiter*innen effektiver und produktiver, deswegen ergeben Stundenzettel keinen Sinn und erhöhen nur den Druck.

Kliniken für Burnout Patienten

Wenn eine ambulante Therapie keine Aussicht auf Erfolg bringt, dann wird nur ein Klinikaufenthalt helfen. Dieser hat den Vorteil, dass ausgebrannte Mitarbeiter*innen den ganzen Tag über Behandlungen bekommen und in sehr kurzer Zeit Ansätze lernen mit dem Stress fertig zu werden. Eine Einweisung in eine Klinik wird entweder von einer*einem Ärztin*Arzt veranlasst oder ein*e Patient*in entscheidet sich selbst zu diesem Schritt. Einige Kliniken in Deutschland haben sich auf Burnout-Patient*innen spezialisiert.

Gelderland-Klinik

Die Gelderlandklinik ist spezialisiert auf psychische und psychosomatische Erkrankungen. Zu den Fachgebieten gehören:

  • Depressive Störungen (reaktive Depressionen)
  • Angststörungen (generalisiert, Panikattacken, Phobien)
  • Anpassungsstörungen (berufliche Konflikte, Erschöpfungssyndrom, Mobbing, Burnout, Arbeitslosigkeit, Trauerreaktion)

In der Klinik werden erwachsene Patient*innen psychosomatischer Erkrankungen, mit psychovegetativen Störungen, neurotischen Erkrankungen sowie psychischen Störungen bei chronischen Erkrankungen behandelt. Es stehen sowohl internistische als auch naturheilkundliche Anwendungen zur Verfügung.

Reha Zentrum Bad Mergentheim, Klinik Taubertal

Das Reha-Zentrum in Bad Mergentheim ist eine der bekanntesten deutschen Einrichtungen und hat mit der Klinik einen Fachbereich für Psychologie und Psychotherapie. Behandelt werden unter anderem psychische, psychosomatische und psychovegetative Erkrankungen. Zu den Therapieleistungen gehören:

  • Verhaltensmedizin
  • MBOR
  • analytische Psychotherapie
  • tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Schön Klinik Bad Arolsen

Die Schön-Kliniken sind der größte familiengeführte Klinikverbund in Deutschland. Die Einrichtung in Bad Aarolsen hat sich auf psychische Indikationen spezialisiert. In den Therapien werden unter anderem Verhaltensmuster reflektiert und verändert. Außerdem steht den Patient*innen während des Klinikaufenthaltes ein*e Bezugstherapeut*in zur Seite. In den vergangenen Jahren hat sich auch der Schwerpunkt Burnout-Behandlung herausgebildet.

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