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Durch Diversity Management eine vielfältige und inklusive Unternehmenskultur schaffen

Als die Unternehmerin Sina Trinkwalder bekannt gab, Kleidung in Deutschland produzieren zu lassen und dabei auch Wert auf Nachhaltigkeit und Diversität zu legen, wurde sie ausgelacht. Heute ist Manonama ein florierendes Bekleidungsunternehmen und Vorbild für die Umsetzung von Diversity Management.

“Unsere ökosoziale Textilfirma – in dieser Form einzigartig in Deutschland – wurde vor neun Jahren gegründet. Mit Menschen, die auf dem klassischen Arbeitsmarkt wenig bis keine Möglichkeiten haben und schwer vermittelbar sind. Langzeitarbeitslose, Migranten, Ältere, Alleinerziehende, Leute mit Handicap”, sagt Gründerin Trinkwalder auf ihrer Webseite.

Reputation und Produktivität durch Vielfalt erhöhen

Wer Menschen eine Chance gibt, wird loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen. Diese Erkenntnis scheint sich langsam in den Führungsetagen herum zu sprechen. Dabei zeigen Umfragen wie von der Charta der Vielfalt, dass der Erfolg messbar vorhanden ist.

Wenn du Diversity Management einsetzt, bekommst du bessere Noten in der Beschäftigtenbefragung und hast eine geringere Fluktuation. Du erhöhst die Reputation nach außen und die Produktivität nach innen.

Das Diversity Management muss dabei sowohl Impuls- als auch Taktgeber sein. Zunächst wirst du alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen von der Notwendigkeit eines Wandels überzeugen müssen. Dann sollte ein erstellter Plan konsequent und ganzheitlich umgesetzt werden. Es darf nicht bei Absichtserklärungen bleiben. Auch die Verantwortlichen werden zeigen, dass sie die Maßnahmen erfolgreich umsetzen, zum Beispiel mit regelmäßigen Reports.

Die Kunden werden es ebenfalls schätzen. Bei Manomama ist Nachhaltigkeit in der Produktion die logische Konsequenz des sozialen Engagements – zunächst im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Fertigung, in der Folge für den Kunden, der ein wert- und nachhaltiges Produkt bekommt.

Erfolg von Diversity Management ist messbar

Die Vielfalt im Unternehmen kannst du recht gut und einfach messen. Am strukturiertesten ist es, die Belegschaft unter Diversity Gesichtspunkten zu analysieren: Geschlecht, Herkunft, Alter, Handicap, und diese nach Aufgabengebieten sortieren.

Bei Volkswagen gibt es beispielsweise ein Mentoring-Programm Management, dass sich nur an weibliche Führungskräfte richtet. Die für dieses Förderprogramm gesetzten Ziele werden kontinuierlich auf ihre erfolgreiche Umsetzung überprüft.

Der Outdoor-Ausstatter Vaude hat sich ebenfalls Diversity auf die Fahnen geschrieben: „Wir sind davon überzeugt, dass eine von Vielfalt geprägte Belegschaft, in der jeder respektiert und akzeptiert wird, Innovation und Kreativität fördert… Freie Stellen bei Vaude werden gemäß dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ausgeschrieben und besetzt.”

Die Firma evaluiert seine Diversity-Bemühungen regelmäßig und veröffentlicht die Erfolge. Das Unternehmen wird übrigens von einer Frau geleitet, und 41 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weiblich. Das mittlere Alter liegt bei 38 Jahren, die Zahl der über 50jährigen wächst aber stetig. Man stellte elf Migrantinnen und Migranten ein und vergab Praktika an Flüchtlinge. Außerdem finanzierte Vaude Deutschkurse für die neuen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Diversität nach Plan umsetzen

Die Erfolge durch Diversity Management kommen fast von alleine, wenn du es plangemäß umsetzt. Natürlich wird es dabei immer Widerstände geben. Diese abzubauen ist Teil des Plans eine vielfältige Unternehmenskultur zu schaffen. Wenn du die ersten Maßnahmen umgesetzt hast und deine Belegschaft inklusiver und vielfältiger wird, wirst du die Veränderungen umgehend spüren.

Beispielsweise werden Teams, in denen Frauen mitarbeiten, oft über Nacht produktiver und entwickeln neue Ideen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Abteilungen, in denen Menschen mit Behinderungen arbeiten, werden unbeschwerter. Die jungen Kolleginnen und Kollegen in der Fertigung sind froh, jetzt einen alten Hasen zu haben, der ihnen Vertrauen gibt, zu dem sie aber auch aufsehen können. Die Aufgabe des Diversity Managements ist in diesem Stadium, den Schwung beizubehalten. Denn wie bei allen Projekten und Umstrukturierungen ist die Motivation und Freude am Anfang groß und ebbt dann ab.

Diversity Management gibt dir die Werkzeuge und Anweisungen, die gesetzten Standards der Inklusion und der Vielfalt in der Personalkultur beizubehalten. Eine große Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung spielen Feedbackmechanismen: Es muss möglich sein, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit Schwachstellen melden können. 

Fit für die kulturelle Globalisierung

Noch nie ist die Welt für uns so klein gewesen. Wir können an jeden Fleck der Erde reisen, mit Freunden in Australien chatten und Geschäftspartner in Vietnam besuchen. Du kannst dich als Mensch und als Firma der Globalisierung nicht mehr entziehen. Damit kommen einige kulturelle Herausforderungen auf dich zu.

Menschen in anderen Ländern zu verstehen – seien es Partner oder Kunden – gelingt dir am besten, wenn du selbst täglich in einem multikulturellen Umfeld arbeitest. Dann kann dir der Flüchtling aus Angola erklären, wie dort die Lieferketten aufgebaut sind und deine thailändische Buchhalterin erklären, welche Steuern in ihrem Heimatland anfallen.

Die weichen Faktoren einer durch Diversity Management gesteuerten, kulturell vielfältigen Belegschaft, sind ebenfalls bedeutend. Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebensräumen zusammenkommen, bringen sie unterschiedliche Erfahrungen und Geschichten mit. Solche Inputs von außen sind geradezu lebenswichtig für Kreativität.

Nur wenn du immer wieder neue Inputs bekommst, kannst du neue Lösungsansätze finden. Du kann nicht out-of-the-box denken, wenn du keine Vorstellung von dem hast, was sich außerhalb befinden könnte.

Diversity Management schafft neue Perspektiven

Wenn du aktiv die Diversität in deiner Firma erhöhst, wirst du offenere und motiviertere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen. Diversity Management ist ein Vertrauensbeweis gegenüber der Belegschaft. Diese belohnt das nicht nur durch Produktivität, sondern auch durch Vorschläge, Ideen und neue Perspektiven.

Das Potenzial, das in einer Firma verloren geht, weil sich Mitarbeiter nicht trauen ihre Meinung zu äußern, ist groß. Mit Diversity Management kannst du dieses Wissenskapital als Asset nutzen. Gerade wenn es um Innovation geht, sind heute verschiedene Ansätze und Blickwinkel gefragt. Die können aber nicht von einem homogenen Team kommen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind oft deine eigenen Kundinnen und Kunden. Du kannst dieses Potenzial nutzen und interne Befragungen durchführen, ohne gleich teure Marketingfirmen zu beauftragen. Ein diverses Unternehmen ist nicht nur Spiegel der Gesellschaft, sondern auch des Marktes. Und: Du bist besser gewappnet für die Zukunft.

So haben Untersuchungen der Global Digital Women ergeben, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil auf Führungsebene im Bereich Digitalisierung engagierter und somit besser aufgestellt sind.

Die wichtigsten Maßnahmen für das Diversity Management:

  • Mit gutem Beispiel vorangehen: Diversity muss im Vorstand oder der Geschäftsführung sichtbar sein und aktiv gelebt werden
  • Klare Vorgaben und Ziele: z.B. Frauenanteil auf 30% erhöhen, jede Stellenausschreibung neutral halten, Altersdurchschnitt um zwei Jahre erhöhen
  • Zeitplan erstellen: Maßnahme A muss bis Monat B umgesetzt sein
  • Feedback: Monatliche Berichte, ob und wie Maßnahmen umgesetzt wurden
  • Workshops und Schulungen: Weiterbildungsplan erstellen und umsetzen, Mittel bereitstellen
  • Öffentliches Bekenntnis: Reputationsmanagement über entsprechende PR auf der Website und in Newslettern, jährlicher öffentlicher Diversity Report
  • Vierteljährliche Befragungen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen ergebnisoffen und anonym über Arbeitsplatzzufriedenheit befragt werden und Vorschläge zur Verbesserung abgeben können
  • Einsatz neuer Technologien: Moderne Softwarelösungen wie Recruitee können helfen, objektiv zu rekrutieren. 

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