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Headhunterinnen und Headhunter: Die Jagd nach Talenten

Noch immer ist der Begriff Headhunterin und Headhunter im deutschen Sprachgebrauch zu finden, selbst wenn sich das Tätigkeitsfeld um einiges geändert hat. Früher wurden Headhunterinnen und Headhunter in der Tat losgeschickt, um Kandidatinnen und Kandidaten für eine Stelle zu suchen. Wurde einer derer, die sie vorschlugen eingestellt, gab es eine entsprechende Provision.

Headhunterin, Headhunter. Was ist das?

Heute spricht man eigentlich von Personalberaterinnen und -beratern, denn das Aufgabengebiet hat sich entscheidend erweitert. Aus dem Cold Call ist eine Strategie für die Talentsuche geworden. Die modernen Headhunterinnen und Headhunter werden schon früh bei der Stellenbeschreibung zu Rate gezogen und müssen längst die komplette digitale Klaviatur beherrschen. Sie schauen nicht mehr nach der Telefonnummer, sondern zuerst einmal nach dem LinkedIn- und Xing-Profil.

Im Unterschied zu Recruiterinnen und Recruitern im Unternehmen, die letztlich auf Bewerbungen warten, ist die Personalberaterin oder der Personalberater – manchmal als Executive Search Berater/in bezeichnet – beim Headhunting pro-aktiv. Die meisten arbeiten in Personalberatungen, die weltweit vernetzt sind. Brauchst du eine Kandidatin oder einen Kandidaten für eine bestimmte Stelle, dann machen sich diese Agenturen und ihre Angestellten auf die Suche. Sie durchforsten Datenbanken und schauen sich in sozialen Netzwerken an. LinkedIn und Xing sind zu einem wichtigen Rekrutierungsinstrument geworden. Vielleicht hast du selbst schon einmal eine Anfrage von Personalberaterinnen oder -beratern in deiner Inbox gehabt.

Immer mehr Unternehmen setzen auf Headunterinnen und Headhunter

Mittlerweile setzen viele Unternehmen auf die Arbeit der Headhunterinnen und Headhunter, gerade wenn es um die Besetzung von Stellen von Führungskräften geht. Das hat eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater ergeben. Demnach stieg die Zahl der offenen Positionen, die durch Personalberaterinnen und -beratern besetzt werden konnten, innerhalb eines Jahres um 6 Prozent auf 72.000 (2017: 68.000). Die Studie zeigt den Wandel von der klassischen zur digitalen Suche:

2018 wurden potenzielle Kandidaten zumeist über die reine Direktansprache (36 Prozent nach 40 Prozent im Vorjahr) kontaktiert. In weiteren 24 Prozent der Suchmandate wurde die Direktansprache um eine internetgestützte Suche ergänzt. Die anzeigengestützte Suche hingegen hat in den letzten Jahren sukzessive an Bedeutung verloren. Hier lag der Anteil im Jahr 2018 lediglich noch bei 1,9 Prozent, in denen ausschließlich über diese Methode gesucht wurde.

Und einen weiteren Trend gibt es: Personalberaterinnen und -berater werden eingesetzt, um Interim Managerinnen und Manager zu finden. Diese werden dann gebraucht, wenn ein Unternehmen in Schieflage geraten oder in einer Krise ist. Die Retterinnen und Retter kommen dann für eine begrenzte Zeit in die Firma und verlassen sie wieder, wenn die Arbeit getan ist. Gute Personalberatungen haben einen Pool an Namen und Adressen von solchen Teilzeit-CEOs und wissen, wer gerade verfügbar ist.

Warum solltest du eine Headhunterin oder einen Headhunter beauftragen?

Es gibt zwei wesentliche Gründe, sich an eine Personalberatung bei einer Stellenbesetzung zu wenden: Du benötigst Unterstützung im Recruiting oder du möchtest eine Stellenausschreibung nicht öffentlich machen. Letzteres kann mehrere Gründe haben. In sehr vielen Fällen werden Führungskräfte und Top-Managerinnen und -Manager gesucht. Ab einer bestimmten Gehaltsklasse wirst du diese nicht mehr über eine Stellenanzeige finden. Außerdem bewerben sich CEOs selten über ein Portal und schicken einen Lebenslauf.

Spürnasen für Spezialisten

Stattdessen kannst du dich an eine Headhunterin oder einen Headhunter wenden, der/dem du genau die Stelle und die Anforderungen erklären kannst. Brauchst du einen COO mit Hintergrund in finanziellen Dingen oder soll dein CFO mal Programmiererin oder Programmierer gewesen sein? Ist die Stelle für jemanden, der unbedingt mal im Ausland gewesen sein soll oder willst du einen CEO, der bewiesen hat, dass er das Unmögliche möglich machen kann?

Kandidatensuche ganz vertraulich

Manchmal willst du gar nicht öffentlich machen, dass in deinem Unternehmen eine Führungsstelle zu besetzen ist. Ein Grund kann darin liegen, dass du deine Belegschaft noch nicht informiert hast, weil es noch etwas dauern kann. Oder die Person, die derzeit die Stelle besetzt, weiß noch nicht, dass es eine Veränderung geben wird.

Im normalen Recruiting können Personalberaterinnen und -berater eine Ergänzung zu deinen normalen Bewerbungsprozessen sein. Sie helfen dann, wenn du einfach keine passenden Kandidatinnen oder Kandidaten finden kannst. Bei der Besetzung von C-Level-Stellen wissen die Beraterinnen und Berater besser, wer gerade verfügbar ist und welche Personen zum Beispiel abgeworben werden können.

Was sind die Aufgaben von Headhunterinnen und Headhuntern?

Headhunterinnen und Headhunter sind heute keine einsamen Wölfe mehr, die Telefonlisten abarbeiten und Top-Manageinnen und -Manager bei ihrer Arbeit stören, sie verstehen sich als Beraterinnen und Berater für das Unternehmen, von dem sie beauftragt werden, und für die Kandidatinnen und Kandidaten, die sie ansprechen.

1. Personalsuche

Die Hauptaufgabe von Headhunterinnen und Headhuntern ist nach wie vor, passende Kandidatinnen und Kandidaten für eine offene oder neue Stelle zu finden. Dabei sprechen sie Personen, die sie als qualifiziert erachten, direkt an. Du erwartest von einem Personalberater, dass er dir eine kleine Auswahl an den bestmöglichen Kandidaten für eine Stelle bringt. Diese haben fast die gleichen Qualifikationen, so dass du wirklich die Person aussuchen kannst, die am besten auf die Stelle und in dein Unternehmen passt.

Headhunterinnen und Headhunter werden dann eingesetzt, wenn du Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Konkurrenz gezielt abwerben möchtest, ohne gleich selbst in Erscheinung zu treten.

2. Beratungsdienstleistungen

Die große Erfahrung, die Personalberatungen haben, geben diese bei Auftragsvergabe gerne an Kunden weiter. Dazu gehört zum Beispiel das Gehalts-Consulting. Da die Beraterinnen und Berater jeden Tag mit der Besetzung von Stellen zu tun haben, kennen sie die Gehaltsvorstellungen von qualifizierten Managerinnen und Managern recht gut und können dich gegebenenfalls korrigieren. Sie kennen sich meist besser mit der aktuellen Gestaltung von Verträgen aus und wissen, welche Forderungen heute gestellt werden.

3. Digitales Recruiting

Die Personalberatung kann aktiv Kandidatinnen und Kandidaten auffordern, sich bei ihr zu bewerben und dient als Puffer zwischen den Bewerbenden und deinem Unternehmen. Ein Headhunter kann dann eine Vorauswahl treffen. Viele Firmen haben sich auf die digitalen Kanäle und Businessportale spezialisiert.

4. Employer Branding

Headhunter helfen dir bei der Außendarstellung als Arbeitgeber. Die Personalberaterinnen und -berater kennen die Wünsche von Kandidatinnen und Kandidaten und wissen recht gut, wie sich ein Unternehmen attraktiv aufstellen kann. Sie können eine neutrale Außenansicht auf dein Employer Branding anbieten und dir Tipps zur Verbesserung geben.

5. Talentscouting und Talentmanagement

Bei Personalberatungen, mit denen du einen festen Vertrag hast, ist häufig das Talentscouting mit im Angebot. Dabei halten die Headhunterinnen und Headhunter immer die Augen offen nach Talenten, die für deine Firma in Frage kommen, selbst wenn gerade keine Stelle zu besetzen ist. Sie verwalten für dich einen Talentpool mit Kandidatinnen und Kandidaten, auf den du dann zu gegebener Zeit einfach zugreifen kannst.

Was du bei Headhunterinnen und Headhuntern beachten solltest

Die großen Personalberatungsfirmen und professionellen Headhunterinnen und Headhunter haben heute alle Standards in der Art und Weise, wie sie arbeiten. Die meisten sind Mitglied im Bund Deutscher Unternehmensberater, der einen eigenen Fachverband für Personalberatungen hat.

Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, fundierte Qualitätsstandards in der Branche zu setzen und die Arbeit der Mitglieder zum Wohle des Klienten ständig zu verbessern.

Unter anderem hat der Verband einige “Grundsätze ordnungsgemäßer und qualifizierter Personalberatung (GoPB)” formuliert, die für alle Mitglieder verpflichtend sind. Immer wieder kann es aber vorkommen, dass kleinere Firmen oder selbstständige Personalberaterinnen und -berater ihre Dienste anbieten.

Du solltest dann auf diese Punkte achten:

  • Transparenz: Personalberaterinnen und -berater nennen den potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten ihren Namen und den ihrer Firma. Sie geben gerne Auskunft über ihre Tätigkeit und treten digital mit der erforderlichen Professionalität auf.
  • Kaltakquise: Manche Headhunterinnen und Headhunter machen sich die Arbeit leicht und rufen einfach Geschäftsführende von Unternehmen an, ohne wirklich einen Bezug zu deren Qualifikationen zu haben. Sie bringen dir zwar Namen und Kontakte, aber selten Qualität. Du solltest bei Auftragsvergabe mit ihnen besprechen, welche Personen sie im Auge haben und warum sie diese kontaktieren möchten.
  • Beratungsqualität und Fachwissen: Da zunehmend mehr Stellen fachliche Qualifikationen benötigen, die selten zu finden sind, sollten Headhunterinnen und Headhunter zumindest grundlegend Bescheid wissen. Die Personalberatung sollte in der Lage sein dir darzulegen, wie der Markt aussieht und welche Chancen und Herausforderungen es für eine erfolgreiche Kandidatensuche gibt.

Wie Headhunterinnen und Headhunter bezahlt werden

Selbst wenn man noch Headhunter sagt, ist die Bezahlung kein Kopfgeld mehr. Es gibt im Wesentlichen drei Modelle, nach denen Personalberater bezahlt werden:

  • Prozentsatz des Zieleinkommens
  • Aufwandsentschädigung
  • Retainer/feste Vereinbarung

Nach Untersuchungen des BDU liegt die Honorarhöhe weiterhin konstant bei etwa 26 Prozent des Zieleinkommens. Das bedeutet in der Praxis:

Wird eine Kandidatin oder ein Kandidat eingestellt, deren/dessen Gehalt 100.000 Euro beträgt, bekommt die Personalberatung 26.000 Euro Honorar.

Entsprechend der Studie wird dieses Modell in etwa 58 Prozent der Personalberatungen eingesetzt. Ungefähr ein Viertel der Headhunterinnen und Headhunter rechnet nach Aufwand ab, zum Beispiel nach Stunden. Der Rest hat entweder eine dauerhafte Vereinbarung zu einem festen Preis der monatlich bezahlt wird (Retainermodell) oder handelt für eine Suche einen einmaligen Preis aus.

Bei der Bezahlung ist es üblich, einen Teil des Honorars bei Vertragsabschluss zu bezahlen. Du solltest darauf achten, ob die Personalberatung erfolgsbedingt (bei Einstellung) bezahlt wird oder dann, wenn sie die ein Auswahl an geeigneten und qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten präsentiert.

Die besten Headhunterinnen und Headhunter Deutschlands

Wenn du nach einer Headhunterin oder einem Headhunter suchst, sind die großen Personalberatungen immer eine gute Adresse. Sie haben die größten Ressourcen, kennen sich auf dem Markt aus und arbeiten nach hohen Qualitätsstandards. Gute Headhunterinnen und Headhunter kannst du über die Suchmaschinen finden und in den Business-Netzwerken. Dort kannst du nachlesen, wie zufrieden Kunden sind und wie aktiv sich die Firma präsentiert, wenn es um Fortbildung und Trends geht. Hier einige der Branchengrößen:

Kienbaum

Das Unternehmen wurde 1945 von dem Diplom-Ingenieur Gerhard Kienbaum gegründet. Er begann nach dem Krieg mit einem Büro für technische Beratung, Übersetzungen und Vertretungen in Gummersbach. Kienbaum wurde das erste Beratungshaus Deutschlands und ist heute führend, wenn es um Personalberatung geht. Du wirst deinen Kandidatinnen und Kandidaten mindestens 200.000 Euro Jahresgehalt zahlen müssen, damit Kienbaum für dich tätig wird.

Korn Ferry

Das US-Unternehmen Korn Ferry ist seit den 70er Jahren in Deutschland vertreten. Es ist in drei Teile gegliedert: Executive Search, Leadership- und Talent-Beratung, Vergütung, Funktionsbewertung und Organisationsberatung sowie Professional Search, Recruitment Process Outsourcing). Auch hier fängt man erst am 200.000 Jahresgehalt an zu suchen.

Egon Zehnder

Die Schweizer Unternehmensberatung haben einen Schwerpunkt auf Executive Search und Leadership Advisory. Das Unternehmen ist seit den 60er Jahren tätig und hat weltweit 68 Standorte. Es gilt als eine der ersten Adressen für die Suche nach Top-Managern.

Indigo Headhunting

Das deutsche Unternehmen ist Spezialist für Talente aus den Bereichen Finance, Real Estate, Professional Services und Technologie. Es hat seinen Sitz und Frankfurt und gewann mehrere Auszeichnungen als beste Personalberatung. Das Jahresgehalt für mögliche Kandidatinnen und Kandidaten liegt bei 100.000 Euro.

Baumann

Die Unternehmensberatung Baumann bereits seit 40 Jahren auf der Suche nach Talenten und passenden Kandidatinnen und Kandidaten und fangen ab 80.000 Euro Jahresgehalt an. Sie suchen passende Kandidatinnen und Kandidaten für Geschäftsführung und C-Level, Bereichs- und Abteilungsleitung, Mittleres Management sowie Spezialisten. 

Spezialisten

Es gibt über diese Generalisten hinaus viele Agenturen, die sich auf einzelne Branchen oder Fachkräfte spezialisiert haben. Je spezieller die Anforderungen sind, umso eher kann dir eine kleinere Agentur helfen. So hat sich zum Beispiel die Firma techminds einen Namen als qualifizierte Beratung in der Bauindustrie gemacht. Die Kontrast Personalberatung ist wiederum ein Experte, wenn es um Fachkräfte und Führungskräfte aus der Pharmaindustrie und dem Medizinbereich geht.

Aufgaben von Headhunterinnen und Headhuntern zusammengefasst

Wenn du beim eigenen Recruiting an die Grenzen stößt oder Führungskräfte suchst, sind Personalberatungen eine interessante Alternative. Sie haben die notwendige Erfahrung und können effizienter nach einer geeigneten Kandidatin oder einem Kandidaten suchen. Das kann dir einiges an Zeit sparen. Personalberatungen haben eigene Headhunting-Datenbanken und können für dich ein Bewerbungsverfahren durchführen.

Vorteile von Headhunterinnen und Headhuntern

Der Vorteil von Headhunterinnen und Headhuntern liegt ganz klar in der Qualität der Bewerberinnen und Bewerber, die dir vorgestellt werden. Die Beraterungen werden schließlich dafür bezahlt, dir nur die besten Kandidatinnen und Kandidaten vorzustellen

Nachteile von Personalberatungen

Der Nachteil ist, dass diese Dienstleistungen nicht ganz billig sind. Wenn es um das reine Headhunting geht, nehmen die meisten Personalberatungen meist nur für die Besetzung von Spitzenpositionen in Anspruch. 

Breites Aufgabenfeld

Headhunterinnen und Headhunter bieten heute aber mehr als nur Kandidatensuche. Für große Unternehmen können sie einige Recruitingaufgaben übernehmen, wie die Pflege eines Talentpools oder die Beratung bei Fragen der Personalentwicklung.

Darauf solltest du bei der Auswahl achten

 Du solltest bei der Entscheidung für einen Headhunter darauf achten, dass:

  • Das Unternehmen seine Qualität nachweisen kann, zum Beispiel über ISO-Zertifikate
  • Die speziellen Anforderungen deiner Stellenbeschreibung verstanden werden
  • Digitale Kanäle benutzt werden
  • Keine Cold-Calls gemacht, sondern nur qualifizierte Personen angesprochen werden
  • Das Honorar dem Aufwand entsprechend angemessen ist
  • Du eine individuelle Betreuung bekommst
  • Bei Berufen mit hohem Fachwissen die Headhunter auf diesen Bereich spezialisiert sind
  • Die Webseite und die Aktivitäten in den Netzwerken professionell sind und einen Mehrwert geben, zum Beispiel über Trends und neue Entwicklungen bei der Personalberatung

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