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Wie du Job Enrichment und Job Enlargement erfolgreich in deiner Personalentwicklung einsetzt

Personalentwicklung ist aus dem Aufgabenbereich der HR-Abteilungen nicht mehr wegzudenken. Recruiter/innen stehen vor der Herausforderung beständig die Kompetenzen der Mitarbeiter/innen auf- und auszubauen, damit das Unternehmen konkurrenzfähig bleibt. Und das möglichst kostengünstig und ohne die Arbeitsabläufe zu sehr zu unterbrechen. Zwei ideale Maßnahmen dafür sind das Job Enrichment und das Job Enlargement. 

Wenn dir diese Begriffe noch nichts sagen, dann bist du genau an der richtigen Stelle gelandet. Denn in diesem Beitrag erfährst du, was es damit auf sich hat, welche Vorteile sie bringen und wann du diese Methoden einsetzen solltest. Außerdem geben wir dir die entscheidenden Tipps für die erfolgreiche Umsetzung in deinem Unternehmen. 

Was ist Job Enrichment und Job Enlargement? 

Beim Job Enlargement erweitert sich der Tätigkeitsbereich eines/einer Mitarbeiter/in. Er/Sie übernimmt zusätzliche Aufgaben mit demselben Anforderungsniveau. Meist sind diese Tätigkeiten den aktuellen Aufgaben vor- oder nachgelagert. Durch das Job Enlargement erweitert sich der Arbeitsspielraum, aber die Entscheidungsfreiheit bleibt in der Regel gleich.

Auch beim Job Enrichment handelt es sich um eine Aufgabenerweiterung. Allerdings sind die neuen Tätigkeiten auf einem höheren Anforderungsniveau angesiedelt. Deshalb wird diese Maßnahme auch als Aufgabenanreicherung bezeichnet. Der/die Mitarbeiter/in übernimmt neben neuen Aufgaben auch mehr Verantwortung und hat einen größeren Handlungsspielraum. 

Im Allgemeinen ist Job Enlargement eine eher quantitative Aufgabenerweiterung. Aber beim Job Enrichment dagegen liegt der Fokus auf der qualitativen Ausdehnung des Tätigkeitsbereichs. In der Praxis sind beide Maßnahmen allerdings nicht immer voneinander abgetrennt. Sie gehen oft fließend ineinander über. 

Beispiele für Job Enrichment und Job Enlargement

Der Unterschied zwischen den beiden Maßnahmen wird deutlicher, wenn man sich zwei konkrete Beispiele ansieht:

Eine Kollegin im Marketingteam schreibt Texte für den wöchentlichen E-Mail-Newsletter der Firma. Im Rahmen des Job Enlargements übernimmt sie zukünftig auch nachgelagerte Aufgaben, wie etwa das Einfügen der Texte in die Marketing-Software und das Versenden der E-Mails. Als Job Enrichment-Maßnahme könnte sich ihr Aufgabenbereich dahingehend anreichern, dass sie auch für strategische Fragen des E-Mail-Marketings Verantwortung übernimmt. Zum Beispiel, welche Themen behandelt werden sollen und wie viele E-Mails versendet werden. 

Ein Kollege in der Produktion führt zurzeit einen Arbeitsschritt bei der Herstellung eines Produkts aus. Seine Aufgaben werden nun dahingehend erweitert, dass er den kompletten Herstellungsprozess übernimmt. Durch dieses Job Enlargement gewinnt er einen tieferen Einblick in die Wertschöpfungskette und kann sich besser mit dem Ergebnis seiner Arbeit identifizieren. Als Job Enrichment Maßnahme könnte nun die Verantwortung für die Qualitätsprüfung des Produkts hinzukommen. 

Vorteile von Job Enrichment und Job Enlargement

Diese Personalentwicklungsmaßnahmen bieten zahlreiche Vorteile für die Mitarbeiter/innen und das Unternehmen an sich. Die Wichtigsten haben wir hier zusammengefasst. 

Motivation und Zufriedenheit steigern

Anspruchsvollere und interessantere Aufgaben machen die Arbeit für deine Mitarbeiter/innen abwechslungsreicher. Wenn Monotonie vermieden wird, wirkt sich dies positiv auf die Mitarbeitermotivation aus. Außerdem fördern neue Tätigkeitsbereiche die Eigeninitiative und Lernbereitschaft deiner Angestellten. Durch mehr Eigenverantwortung können sie ihre Persönlichkeit entfalten und sich selbst verwirklichen. Das Resultat ist gestiegene Mitarbeiterzufriedenheit

Kosten sparen

Wenn interne Mitarbeiter/innen neue Aufgaben übernehmen, muss dafür kein/e neue/r Kolleg/in eingestellt werden. Die externe Suche nach geeigneten Kandidat/innen sowie aufwendige Personalauswahlverfahren fallen weg. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch wertvolle Zeit. 

Employer Branding fördern

Ein fester Arbeitsplatz mit einer guten Bezahlung ist längst nicht mehr genug um Fachkräfte anzulocken. Talente suchen gezielt nach Unternehmen mit starken Arbeitgebermarken, die vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten anbieten. Wenn mit Personalentwicklungsmaßnahmen geworben wird, kann sich das positiv auf dein Employer Branding auswirken

Produktivität erhöhen 

Werden diese Personalentwicklungsmaßnahmen gezielt eingesetzt, kann sich die Effizienz interner Prozesse erhöhen und die Wirtschaftlichkeit der gesamten Firma steigern. Wenn Mitarbeiter/innen verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen, setzt dies Kapazitäten bei Führungskräften frei. Diese können sich daraufhin besser auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens konzentrieren und dessen Wettbewerbsfähigkeit sichern. 

Wann lohnt es sich Job Enrichment und Job Enlargement einzusetzen?

Methoden zur Personalentwicklung gibt es wie Sand am Meer. Von Onboarding-Programmen über Auslandsaufenthalte bis hin zu Mentoring – für jede Situation ist das richtige Instrument dabei. Hier erfährst du, wann Job Enrichment und Job Enlargement die beste Wahl sind.  

Zur Vorbereitung auf höhere Positionen

Job Enrichment ist oft ein essenzieller Teil von Programmen zur Führungskräfteentwicklung. Talente werden durch die Übernahme übergeordneter Tätigkeiten gezielt auf höhere Positionen vorbereitet. Dadurch gewinnen sie einen direkten Eindruck, wie der Alltag auf der nächsten Hierarchiestufe aussieht und können besser einschätzen, ob sie diesen Schritt gehen wollen. 

Zur Entwicklung neuer Fähigkeiten

Wenn Mitarbeiter/innen neue Aufgaben übernehmen, müssen sie in der Regel entsprechende neue Fähigkeiten erlernen. Dies kann on the job oder durch Weiterbildungsmaßnahmen geschehen. Dadurch erweitern sich ihre Kompetenzen, sie sind besser qualifiziert und haben günstigere Karriereaussichten. 

Zur Steigerung der Flexibilität in der Belegschaft 

Mitarbeiter/innen, die in Silos arbeiten und nur ihren eigenen kleinen Aufgabenbereich beherrschen engen den Handlungsspielraum deines Unternehmens ein. Im Gegensatz dazu können Angestellte, die in vielen Aufgaben geschult sind sich besser untereinander vertreten und flexibler eingesetzt werden. So bleibt deine Firma stets agil und kann am besten auf Veränderungen reagieren. 

Was du bei der Umsetzung beachten solltest

Bei der praktischen Umsetzung dieser Personalentwicklungsmaßnahmen gibt es einiges zu beachten. Was zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden kann, verraten wir dir hier. 

An bestehende Kompetenzen und Aufgaben anknüpfen

Job Enrichment- und Enlargement-Maßnahmen sind am erfolgreichsten, wenn sich die neuen Tätigkeiten an den vorhandenen Kompetenzen und Aufgaben der betroffenen Mitarbeiter/innen orientieren. Völlig fremde Aufgaben zu übernehmen stellt eine viel größere Herausforderung dar und das Risiko, dass die Maßnahme scheitert und den/die Mitarbeiter/in demotiviert steigt immens. 

Einarbeitungsphase einplanen

Es ist unrealistisch zu erwarten, dass ein/e Mitarbeiter/in, die neue Aufgaben übernimmt, diese sofort auf vollem Leistungsniveau ausführt. Vielmehr sollte eine Einarbeitungsphase eingeplant werden, in der der/die Mitarbeiter/in in den neuen Tätigkeiten geschult wird und diese anschließend Schritt für Schritt übernimmt. Die Einarbeitung kann in der Regel problemlos der/die vorherige Aufgabeninhaber/in übernehmen. Eventuell ist aber auch externe Hilfe nötig, was uns zum nächsten Punkt führt. 

Eventuelle Weiterbildungen planen

Wenn das nötige Wissen für die Durchführung neuer Tätigkeiten nicht intern vorhanden ist, muss auf externe Weiterbildungsmöglichkeiten zurückgegriffen werden. Durch Seminare, Schulungen oder Trainings kann sich der/die Mitarbeiter/in die richtigen Kompetenzen aneignen. Hierfür entstehen natürlich Kosten und der/die Angestellte muss genügend Zeit für die Weiterbildung zur Verfügung gestellt bekommen. 

Überforderung und Überarbeitung vermeiden 

Die anfängliche Motivation und Freude auf neue Aufgaben kann leider schnell Überforderung weichen, wenn der/die Mitarbeiter/in nicht die nötige Unterstützung oder das richtige Wissen vermittelt bekommt. Auch durch gestiegene Verantwortung können sich Angestellte überfordert fühlen. Darunter leidet dann oft das gesamte Leistungsniveau. 

Eventuell erhöhen die neuen Aufgaben das Arbeitspensum auch so, dass es nicht mehr zu schaffen ist. Überarbeitung und im schlimmsten Fall ein Burnout können die verheerenden Folgen sein. Deshalb sollten sich Führungskräfte und Personalabteilung eng mit den Mitarbeiter/innen abstimmen und regelmäßig prüfen, ob die Maßnahmen erfolgreich verlaufen. 

Transparenz gewährleisten

Mitarbeiter/innen, die zusätzliche, höherwertige Tätigkeiten übernehmen, erhoffen sich häufig eine entsprechende Anpassung ihrer Entlohnung. Wenn das Entgelt jedoch nicht erhöht wird, wirken die neuen Aufgaben mit der Zeit demotivierend. Hier ist es wichtig, dass Führungskräfte und Personalabteilung von Anfang an transparent sind. Kläre die Angestellten darüber auf, welche vertraglichen oder entgeltlichen Veränderungen diese Entwicklungsmaßnahme mit sich bringen wird. 

Was passiert, wenn der/die Mitarbeiter/in scheitert 

Es gibt leider keine Garantie dafür, dass der/die Mitarbeiter/in in den neuen Aufgaben erfolgreich sein wird. Ein Scheitern kann im schlimmsten Fall zum Verlust des Selbstvertrauens und zum Verlassen des Unternehmens führen. Damit dies nicht geschieht, sind Personalabteilung und Führungskräfte dazu angehalten, die Angestellten bei allen Personalentwicklungsmaßnahmen eng zu begleiten. 

Sie haben es in der Hand, die Maßnahmen so zu positionieren, dass der/die Mitarbeiter/in in allen Fällen sein/ihr Gesicht wahren kann. Job Enrichment und Enlargement sind Experimentierphasen, in denen Mitarbeiter/innen Neues ausprobieren können und auch Fehler machen dürfen. Durch weniger Erfolgsdruck und einem Gefühl der Sicherheit werden sie eher erfolgreich sein und über sich hinaus wachsen. 

Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Personalentwicklung

Deine Maßnahmen zur Personalentwicklung werden nur dann erfolgreich sein, wenn du vorher die richtigen Mitarbeiter/innen rekrutiert hast. Nicht jede/r Kandidat/in bringt die Voraussetzungen mit, sich intern weiterentwickeln zu können. Wenn du schon bei deiner Personalauswahl darauf achtest, die Bewerber/innen auszuwählen, die sowohl die richtigen Qualifikationen und Kompetenzen als auch Entwicklungspotenzial mitbringen, erhöhst du die Erfolgschancen. Eine Recruiting Software wie Recruitee kann dir die Personalbeschaffung und -auswahl übrigens deutlich erleichtern.

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