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Corporate Benefits: Mitarbeitervorteile sind mehr als eine Anerkennung

Die Zusatzleistungen die ein Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet, spielen eine immer größere Rolle. Sie sind längst mehr als nur eine Anerkennung für geleistete Arbeit, sondern für viele Bewerberinnen und Bewerber ein wichtiges Auswahlkriterium. Denn das Gehalt ist nur ein Teil eines Pakets, das Beschäftigte heute erwarten.

Für Unternehmen sind Benefits häufig eine – auch kreative – Herausforderung. Sie müssen zusätzliche Leistungen anbieten, die attraktiv, aber auch umsetzbar sind und im Kostenrahmen bleiben. Corporate Benefits sind ein schmaler Grat zwischen den Wünschen der Angestellten und den Möglichkeiten, die ein Unternehmen hat. 

Dennoch sind diese Leistungen nicht mehr wegzudenken. Und Mitarbeiterbenefits sind auch nicht neu. Denk nur an den Personalverkauf bei Textilherstellern oder den Mitarbeiterrabatten in der Autoindustrie. Kantinen und der Betriebssport waren die ersten Corporate Benefits schon vor dem Zweiten Weltkrieg. 

Das moderne Verständnis von Mitarbeitervorteilen zielt aber nicht nur auf die Gesamtheit der Belegschaft ab, sondern auch auf einzelne Personen. Die Vorteile sind ein wichtiges Recruitingargument geworden und können gleichzeitig intern der Motivationsunterstützung dienen. Gerade Unternehmen, die flache Hierarchien haben, können keine Beförderungen anbieten und müssen sich andere Benefits für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfallen lassen.

Welche Mitarbeiterbenefits können moderne Unternehmen ihren Beschäftigten bieten?

Eine Studie von Kienbaum, für welche Benefits Mitarbeiter auf Gehalt verzichten würden, brachte interessante Ergebnisse hervor. Zu den am häufigsten genannten Leistungen gehören:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • betriebliche Altersvorsorge
  • Home-Office
  • Firmen-Smartphone
  • erfolgsabhängiger Bonus
  • Gesundheitsvorsorge und Sportprogramme
  • Dienstwagen
  • Kantine oder Essenszuschuss
  • Job Ticket
  • Gewinnbeteiligungen
  • Kinderbetreuung
  • Hund mitbringen erlaubt
  • Familienbüro
  • private Internet-Nutzung
  • individuelle Coachings

Die flexiblen Arbeitszeiten standen mit 75 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Altersvorsorge mit 58 Prozent und dem Home-Office. Für die Studie wurden die Antworten von 11000 Beschäftigten ausgewertet. 

Diese Leistungen werden von der Generation Y nicht zwangsläufig alle als Benefits angesehen. Eine Studie von Trendence und Absolventa hat das bestätigt: „Angebote wie eine betriebliche Altersvorsorge, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Gleitzeit und eine moderne Arbeitsplatzausstattung erwarten mehr als die Hälfte der Befragten grundsätzlich von einem Arbeitgeber. „Echte“ Benefits stellen hingegen ein Firmenwagen mit privater Nutzung (81,3 Prozent), Gesundheits- und Sportangebote (68,6 Prozent), Home-Office (52,7 Prozent), ein Job-Ticket (66,8 Prozent), kostenfreie Getränke und Obst (65,8 Prozent), Mitarbeiterrabatte. (64,4 Prozent), Sabbaticals (61,3 Prozent) und vermögenswirksame Leistungen (54,6 Prozent) dar.”

Frauen und Männer unterscheiden sich noch in den Wünschen. Männer möchten vor allem Dienstwagen und Geld, Frauen hingegen eher flexible Arbeitszeiten und Gesundheitsvorsorge.

Du wirst in deinem Mitarbeiterbenefits Programmen außerdem zwischen Angeboten, die für alle gelten und solchen, die nur bestimmten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemacht werden, unterscheiden müssen. Kantinen und Sportprogramme sind Leistungen, die jeder in Anspruch nehmen kann. Die betriebliche Altersvorsorge wird in der Regel ebenso unternehmensweit angeboten und kann entsprechend fürs Recruiting verwendet werden. Du solltest sie als Standard in Stellenanzeigen nennen, eine wichtige Maßnahme in deinem Employer Branding.

Jobtickets und Dienstwagen

Es wird dir nicht möglich sein, jeder Mitarbeiterin oder jedem Mitarbeiter die Fahrt zur Arbeitsstätte bezahlen zu können, gerade bei größeren Unternehmen. Wer oft auf Geschäftsreise ist oder im Außendienst arbeitet, kann durchaus einen Dienstwagen angeboten bekommen. Hier ist aber auf die Privatnutzung und eventuelle steuerliche Konsequenzen zu achten. Ein Jobticket kann für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interessant sein, die einen längeren Anfahrtsweg haben und öffentliche Verkehrsmittel benutzen möchten.

Gutscheine und Rabatte

Ob günstiges Einkaufen im eigenen Hause oder Gutscheine für andere Unternehmen: wer seinen Angestellten hilft Geld zu sparen, wird sich immer beliebt machen. Dabei muss es aber einige Vorüberlegungen geben: 

  • Wie hoch soll der Wert sein?
  • Was qualifiziert eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter für einen Gutschein?
  • Welche Leistungen sollen belohnt werden?

Rabatte für Produkte aus dem eigenen Unternehmen sollten immer für alle Angestellten gelten. Gutscheine hingegen können individuell ausgegeben werden. Mittlerweile gibt es auch Firmen, die ein Incentive Programm als Software anbieten. Dabei können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Leistungen Punkte sammeln und mit diesen dann Produkte kaufen.

Fortbildungen und Coaching

Viele jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden es zu schätzen wissen, wenn sie Unterstützung bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung und den Führungsfähigkeiten bekommen. Das können Fortbildungen und Weiterbildungen sein, aber auch ein Mentoring oder Coaching.

Wenn du deine zukünftigen Führungskräfte im eigenen Unternehmen aufbauen willst, fährst du gut damit, sie auch auf ihre zukünftigen Rollen vorzubereiten. Im Recruiting sind solche Angebote dann praktisch, wenn du junge Angestellte für das mittlere Management suchst, aus Gleichbehandlungsgründen aber keine Altersgruppen nennen darfst. 

Benefitprogramme für Remote Worker

Wer im Homeoffice sitzt, kann weder die Firmenkantine noch die Sporteinrichtungen benutzen. Hier ist Kreativität gefragt, wenn es um Mitarbeiterbenefits geht. Einige Ideen für Home Office Worker sind:

  • Übernahme der Kosten für den Internetanschluss
  • Firmenlaptop fürs Homeoffice, auch für feste freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Food Delivery Gutscheine
  • Firmenfahrrad auch für Privatgebrauch (Großer Vorteil: Diensträder sind steuerfrei!)
  • Zuschuss zu Stromkosten

Die Software-Firma Chargify zu besuchen ist kaum möglich, denn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über die USA und ein paar weitere Länder und Kontinente verteilt. Sie besteht aus einem kompletten Remote Office. Dabei die Kolleginnen und Kollegen bei Laune zu halten, ist nicht einfach. Da hilft weder ein Tischfußball noch eine Kaffeemaschine.

Weil die Führung um die hohe Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiß, kommt sie ihnen mit einer für die USA geradezu unglaublichen Urlaubsregelung entgegen: Es gibt vier Wochen bezahlten Urlaub, fast doppelt so viel wie im US-Durchschnitt. Und: Die Firmenleitung achtet darauf, dass der Urlaub auch genommen wird. Die Work-Life-Balance ist nicht nur eine Option, sondern ein Core Value bei Chargify.

Zusätzlich bekommt jeder Beschäftigte einen Laptop, einen Monitor und 150 Dollar für Kosten wie Strom oder Internet im Homeoffice. Niemandem wird vorgeschrieben, wo gearbeitet wird. Möchte die Familie im Winter zum Skifahren, kann auch während der Workcation gearbeitet werden. Vormittags geht es auf die Piste, am Nachmittag an den Laptop.

Liste der Mitarbeitervorteile regelmäßig prüfen

Die Notwendigkeit zur Individualisierung der auch Fringe Benefits genannten Leistungen liegt heute in der Diversität der Belegschaft. Eine ältere Mitarbeiterin wird andere Bedürfnisse haben als ein junger Familienvater. Nicht jeder will oder braucht einen Dienstwagen oder nutzt eine Kinderbetreuung.

Die Sozialwissenschaftlerin Anette Rößler warnt vor einem Gießkannenprinzip bei Zusatzleistungen: “Fringe Benefits orientieren sich oft nicht an den tatsächlichen Bedürfnissen der Belegschaft, sind unstrukturiert aufgebaut und werden zu selten aktualisiert. Dabei haben Alter, Karrierestufe und individuelle Vorlieben großen Einfluss auf die Wünsche der Angestellten. Experten empfehlen deshalb, die tatsächliche Attraktivität und Inanspruchnahme der im Unternehmen angebotenen Fringe Benefits alle zwei bis drei Jahre zu prüfen.”

Neben der Frage, ob die Angebote auch angenommen werden, solltest du die Wirksamkeit prüfen. Dabei helfen zum Beispiel Mitarbeiterbefragungen. Gerade neu eingestellte Beschäftigte können gefragt werden, ob und welche Zusatzleistungen eine Rolle bei der Bewerbung und Zusage gespielt haben. Angestellte, die schon länger dabei sind, können über die Motivation durch Zusatzleistungen befragt werden.

Vorsicht: Wenn aus Zusatzleistungen ein Anspruch abgeleitet wird

Leider kommt es gelegentlich vor, dass gut gemeinte Initiativen bei Zusatzleistungen von Mitarbeitenden ausgenutzt werden. In der Rechtsprechung hat sich durchgesetzt, dass auf  Zusatzleistungen ein Anspruch bestehen kann. Dann nämlich, wenn diese drei Mal in Folge geleistet wurden, ohne das ausdrücklich auf die Freiwilligkeit hingewiesen wurde.

Eine solche „betriebliche Übung“ kann zum Beispiel bei Weihnachtsgeld bestehen, das automatisch überwiesen wird. Aber auch Fahrtkostenzuschüsse fallen darunter. Damit freiwillige Bonuszahlungen oder Prämien nicht zur „betrieblichen Übung” werden, muss der Arbeitgeber ihre Freiwilligkeit schriftlich vor der Zahlung so betonen, dass auch bei wiederholter Gewährung kein Rechtsanspruch abgeleitet werden kann.

Vorteile für Unternehmen durch Mitarbeiterbenefits

Kein Unternehmen möchte Zusatzleistungen anbieten, ohne davon auch einen Nutzen zu haben. Die Frage ist nur, welchen Nutzen du haben möchtest und wie die Benefits in die Unternehmenskultur und die internen Strukturen passen. Viel hilft nicht viel, besser ist es, das Paket an Leistungen auch der Firma anzupassen. Folgende Aspekte solltest du berücksichtigen:

  • Corporate Benefits passen zur Kultur im Unternehmen
  • Zusatzleistungen sind ein Teil der gesamten Personalpolitik
  • Mitarbeiterleistungen stellen das Unternehmen auch nach außen positiv dar
  • Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Führungskräfte haben an der Gestaltung der Leistungen teil
  • Klare Definierung von berechtigten Beschäftigten
  • Kosten-Nutzen-Analyse
  • Messen der Motivation in Zusammenhang mit Zusatzleistungen
  • Messen der Produktivität vor und nach Zusatzleistungen

Mit diesen Daten kannst du sehen, ob und wie deine Benefits wirksam sind. So zeigen immer mehr Studien, dass Menschen vom Home Office aus produktiver sind. Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter also gerne einen Tag von zu Hause aus arbeiten wollen und das gut in den Arbeitsablauf eingebettet ist, entsteht für dich als Arbeitgeber eine Win-Win-Situation. Die Angestellten sind glücklich und du bekommst mehr Arbeit in der gleichen Zeit geleistet.

Besonders deutlich werden angebotene Leistungen bei Stellenausschreibungen. Bewerberinnen und Bewerber schauen heute sehr genau, was ihnen ein Unternehmen über das Gehalt hinaus bietet. Sie informieren sich häufig sogar noch über persönliche Kontakte oder fragen nach, welche Leistungen es für Angestellte gibt. In einer Umfrage des Jobportals Stepstone hatten 70 Prozent der Befragten angegeben, dass Zusatzleistungen ein wichtiger Punkt bei der Stellensuche sind.

Steuerliche Vor- und Nachteile von Mitarbeiterbenefits

Bei vielen Sach- und Dienstleistungen, wie einem Diensthandy oder einer Kinderbetreuung, fallen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Steuern an. Das kann ein Vorteil sein, auch fürs Unternehmen. Denn du kannst natürlich die Kosten selbst als Ausgaben geltend machen und damit die Steuerlast senken. Anders als bei finanziellen Vergütungen können Beschäftigte Sachleistungen in vollem Ausmaß in Anspruch nehmen. Auch ein Jobticket für die Fahrt zur Arbeit muss nicht versteuert werden, ebenso wie das Dienstfahrrad.

Die Grenze für Sachbezüge liegt bei 44 Euro pro Monat und Mitarbeiterin und Mitarbeiter. Für Rabatte gilt ein Höchstbetrag von vier Prozent Rabatt und darüber hinaus von 1080 Euro pro Jahr. Der schwedische Möbelkonzern IKEA gibt zum Beispiel seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 15 Prozent Rabatt auf alle Produkte. Wer also für 4000 Euro einkauft hat einen Rabatt von 600 Euro, der nicht versteuert werden muss. 

Beim Angebot von Zusatzleistungen solltest du also darauf achten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesen Vorteil auch wirklich nutzen können und nicht am Ende noch drauflegen. So gibt es auch für Sportkurse und andere Zuschüsse bestimmte Höchstgrenzen.

Trends bei Mitarbeiterbenefit-Programmen

Die klassischen Leistungen wie Alters- und Gesundheitsvorsorge und Sondervergütungen sind nach wie vor beliebt bei den Beschäftigten. Firmen können sich aber auch neue Ideen einfallen lassen, welche die Bindung an die Firma erhöhen, identitätsstiftend sind und Loyalität belohnen. 

Familienfreundliche Umgebung

Auch Traditionsunternehmen wie der Süßwarenhersteller Storck gehen neue Wege, wenn es um die Mitarbeitermotivation geht. Als Familienunternehmen setzt sich Storck dafür ein, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Beruf und Familie leichter vereinbaren können. Storck ist zum einen Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie”, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gegründet wurde. Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeitangebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Standort Halle gibt es ein sogar Familienbüro mit Spielecke, um Betreuungsengpässe zu überbrücken. 

Das Outdoorunternehmen Vaude geht sogar noch einen Schritt weiter und hat ein eigenes Kinderhaus auf dem Betriebsgelände gebaut. Nach einer positiv ausfallenden Bedarfsumfrage eröffnete Vaude im Mai 2001 ein Kinderhaus mit einer altersgemischten Gruppe und einer Spielgruppe für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren. Damit wollte man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie berufstätige Familien im Kreis Tettnang dabei unterstützen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Und man hat auch noch gleichzeitig einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag geleistet: Seit Einrichtung des Kinderhauses ist die Geburtenrate im Unternehmen gestiegen.

Kleine Gesten erhalten die Loyalität

Das Startup Soundcloud hilft Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Ausland nicht nur beim Umzug nach Berlin, sondern auch beim Einleben. Die interne “New friends”-Kampagne verspricht, dass sich die Kolleginnen und Kollegen um die Neuankömmlinge kümmern und ihnen die Stadt zeigen sowie dabei helfen, Kontakte zu knüpfen.

Manchmal reichen auch kleine Gesten. So haben beim Webhoster Rackspace die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihrem Geburtstag frei und dürfen mal richtig ausschlafen. In die gleiche Richtung gehen Initiativen wie Geschenke zur Hochzeit oder zur Geburt eines Kindes.

Mitarbeitervorteile auf einen Blick

  • Stelle sicher, dass die Benefits auch mit deiner Unternehmenskultur übereinstimmen
  • Berechne die Kosten für Mitarbeitervorteile und den erwarteten Nutzen
  • Frage deine Angestellten, welche Vorteile sie bevorzugen
  • Formuliere klare Kriterien für die Leistungen
  • Schaffe Programme, die auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sind
  • Betone immer die Freiwilligkeit der Leistungen
  • Denke daran, dass Zusatzleistungen wichtig fürs Employer Branding sind
  • Sei kreativ bei der Entwicklung von Benefit-Programmen
  • Achte auf steuerliche Vor- und Nachteile
  • Versuche eine Balance zwischen Leistungen für alle und für einzelne zu erreichen

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