Artikel

Recruiting-Events: Aktives Marketing für neue Talente

Wer heute ein Produkt auf den Markt wirft und darauf wartet, dass die Kund*innen es kaufen, wird eine lange Ausdauer haben müssen. Marketing hat sich verändert, Unternehmen müssen aktiv auf die Kund*innen zugehen, über viele unterschiedliche Kanäle. Beim Recruiting ist das nicht anders. Es reicht nicht aus, auf eingehenden Bewerbungen zu warten. Du wirst die Talente selbst finden müssen, vor allem wenn es um hoch qualifizierte Mitarbeiter*innen geht. Ein Weg neben den Stellenanzeigen und Jobplattformen sind Recruiting-Events. Sie sind sehr effektiv, wenn du die passende Zielgruppe ansprichst und die Veranstaltung für sie interessant machst.

Recruiting Events sind auch notwendig, um jungen Menschen Perspektiven in der modernen Arbeitswelt zu geben. Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass Schüler weniger über digitale Jobs wissen als zunächst angenommen. Die meisten hätten Berufswünsche nach klassischen und etablierten Jobs geäußert, heißt es in dem Bericht. Konkret nannten in der aktuellen PISA-Erhebung 47 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen einen von zehn besonders häufig genannten Berufen, wie Arzt*Ärztin, Lehrer*in, Polizist*in oder Unternehmensmanager*in.

Der große Vorteil bei Recruiting-Events ist, dass du mit Menschen in Kontakt kommst, von denen sich die meisten für dein Unternehmen und die angebotenen Stellen wirklich interessieren. Vor allem aber lernst du die Persönlichkeit kennen, und kannst dir einen guten Eindruck von den Bewerber*innen machen.

Was ist ein Recruiting-Event?

Recruiting-Events sind Veranstaltungen bei denen sich dein Unternehmen als Arbeitgeber*in präsentiert und offene Stellen anbietet. Diese Events sind außerdem eine Option, dir einen Talent-Pool zu schaffen oder einen vorhandenen zu erweitern.

Bei Recruiting-Events unterscheidest du Ort und Zielgruppe. Es gibt

  • Events, die im Unternehmen veranstaltet werden
  • Recruiting-Events, die außerhalb eigenständig oder im Rahmen von Veranstaltungen durchgeführt werden

Bei den Zielgruppen für Recruiting-Events kannst du unterscheiden zwischen:

  • Schulabgänger*innen und Studierenden, die einen Ausbildungsplatz suchen oder eine Karriere beginnen wollen
  • Fachkräften, die an neuen Optionen interessiert sind
  • Aktive Arbeitssuchende, die nach offenen Stellen suchen
  • Den Menschen in der Region dich als Arbeitgeber*in vorstellen
  • Talente von anderen Unternehmen abwerben

Recruiting-Events planen

Der Erfolg einer Recruting-Veranstaltung hängt von einer guten Planung und Vorbereitung ab. Du solltest dir zunächst Gedanken über die Ziele machen, die du mit dem Event verfolgen möchtest. Willst du bestimmte Stellen besetzen oder dein Employer Branding verbessern? Suchst du junge Talente oder brauchst du dringend erfahrene Spezialist*innen?

Du wirst als Erstes entscheiden, ob du ein Recruiting-Event im Unternehmen selbst oder außerhalb organisieren möchtest. Gründe für eine interne Veranstaltung sind:

  • Du kennst die Räumlichkeiten und Möglichkeiten
  • Du kannst alle Mitarbeiter*innen einspannen
  • Du kannst dein Unternehmen und deine Einrichtungen und Arbeitsplätze präsentieren
  • Die Besucher*innen können sich mit Kolleg*innen über die Unternehmenskultur unterhalten
  • Du hast organisatorische Kontrolle über das Event und musst keine Konkurrenten fürchten

Ein Nachteil bei diesen Events ist, dass wahrscheinlich weniger Bewerber*innen kommen als bei einer allgemeinen Jobbörse mit mehreren Firmen. Dafür ist aber oft die Qualität höher.

Bei einer Recruitingveranstaltung außerhalb deiner eigenen Räumlichkeiten kannst du:

  • Selbst ein Event in einem Hotel oder Konferenzzentrum organisieren
  • Eine Veranstaltung in einer Uni oder Hochschule durchführen
  • Dich bei der Arbeitsagentur vorstellen
  • Dich bei einer Jobmesse präsentieren
  • Bei einer Messe deinen Stand als Recruitment-Center benutzen

Zu den Vorteilen externer Recruiting-Events gehört, dass du dich dort befindest, wo die potenziellen Bewerber*innen sind und die Zahl der Kandidat*innen meist höher ist. Ein Nachteil kann sein, dass andere Firmen um neue Angestellte buhlen. Außerdem sind meist die Kosten höher, weil du Gebühren an Veranstalter*innen und Mieten bezahlen musst.

Veranstaltungsideen für Recruiting-Events

An Ideen mangelt es Unternehmen heute nicht mehr, wenn es darum geht, sich bei Hochschulabgänger*innen und Studierenden beliebt zu machen. Da wird schon mal ein DJ eingeladen und die Semesterparty finanziert. Unternehmen, die nach Führungskräften suchen, laden diese sogar zu einem Wochenende in den Alpen ein, um sie besser kennenzulernen – und zu sehen, wie sich dieses gegenseitig versuchen aus dem Rennen zu werfen.

Wir wollen dir hier einige praktikable und erfolgreiche Konzepte vorstellen, die sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden und in der Praxis erprobt sind. Denke immer daran, die Art des Recruiting-Events der Zielgruppe anzupassen.

Interne Jobbörse

In Corona-Zeiten werden solche Job-Börsen als Online-Recruiting-Events durchgeführt. Aber normalerweise findet die Veranstaltung in deinem Unternehmen statt. Die Abteilungen, die freie Stellen haben präsentieren sich meist mit Infoständen und Mitarbeiter*innen aus dem jeweiligen Fachbereich. Sie können den Interessierten die jeweiligen Arbeitsplätze zeigen. Es ist üblich, bei solchen Recruiting-Events Führungen durch das Unternehmen anzubieten.

Kleiner Tipp: Bei Veranstaltungen am Wochenende an Familien denken, die mit Kindern kommen und ein entsprechendes Angebot für Kinder zu machen.

Die Firma Accenture hat zum Beispiel seine weltweit verteilten Recruiting-Events in 2020 einfach zu Online-Events umgewandelt. Jetzt kannst du auf deren Webseiten entweder an Live-Events teilnehmen oder Beiträge von vergangenen Veranstaltungen anschauen. Da gibt es dann Beiträge mit dem Titel “Aus dem Leben eines Software-Engineers” oder” Wie Cloud die Digitalisierung unserer Kunden vorantreibt” und Tipps, wie du deinen Lebenslauf besser gestalten kannst.

Hackathon

Im Recruiting ist das noch eine recht junge Idee. Sie kommt aus der Softwareentwicklung, wo sich Entwickler*innen 48 Stunden lang zusammensetzen und Probleme lösen. Bei manchen Hackathons werden Maschinen gebaut oder Fehler in bestehender Software gefunden.

Im Recruiting gibt es zwei Ansätze: Es werden Gruppen aus Kandidat*innen und Recruiter*innen gebildet um in Gesprächsrunden die gegenseitigen Wünsche, Fähigkeiten und Einstellungen kennen zu lernen. Thema sind meisten die jeweiligen Fachgebiete und was Talente für Ansprüche an die Jobs und Arbeitsumgebungen haben. Dabei geht es aber eher um eine allgemeine Sicht und nicht nur um dein Unternehmen

In der anderen Variante bekommen die Teilnehmer*innen reale Aufgaben gestellt, die mehr oder weniger mit deiner Firma zusammenhängen. Das kann ein Marketingplan sein, Ideen für neue Produkte, Prozessoptimierung, Projektplanung, Vertriebsoptimierung und, und, und. Sie arbeiten daran einige Stunden, am besten eine Nacht lang und müssen dann am Nachmittag des Folgetages ihre Ergebnisse präsentieren.

Ein Hackathon ist ein Win-Win: Die Teilnehmer*innen lernen unter Druck im Team zu arbeiten und verbinden das Event positiv mit deinem Unternehmen, für dich ist das eine ideale Talentbörse. Der einzige Nachteil ist, dass es sich eher an junge Menschen richtet.

Recruitingcamps

In eine ähnliche Richtung gehen die Recruitingveranstaltungen von Barcamps. Das sind Events, die wie eine Konferenz ablaufen, nur das jeder reden darf, der möchte. Es gibt Timeslots und Räume, und es geht darum, gegenseitig Wissen zu transportieren, und zwar auf Augenhöhe. Bei einem Recrutingcamp können Mitarbeiter*innen solche Sessions leiten und über ihre Arbeit berichten, Teilnehmer*innen können Sessions über Anforderungen machen, die die Generation X, Y und Z heute haben oder mit der Geschäftsführung über Diversity diskutieren. Diese Events sind sehr informell, Schlips und Anzug sind hier fehl am Platz.

Recruiting-Events am Campus

Ob die Semesterfete sponsern oder einen Hörsaal buchen: Wenn es um Recruiting-Events an Universitäten geht, wollen viele die ersten sein. Allerdings solltest du genau auswählen, welche Studienrichtung du ansprechen willst. Weniger ist übrigens mehr: Studierende erwarten kein cooles Lounge-Setting von einer Maschinenbaufirma und schon gar keinen DJ, der alle halbe Stunde von einer Powerpointpräsentation aus der HR unterbrochen wird. Einige kleine Stände reichen aus, sie sollten die Berufschancen und -felder in deinem Unternehmen darstellen. Am wichtigsten ist, so viele Kontakte wie möglich zu sammeln und fleißig Visitenkarten auszugeben.

Wenn du konkret Stellen besetzen musst, solltest du dich an die älteren Semester wenden, wenn du dich früh bekannt machen kannst an jene, die das Grundstudium abgeschlossen haben.

Business-Dating

Wie beim Speed-Dating kommen hier Recruiter*innen und Interessierte zusammen und haben zum Beispiel eine Minute Zeit, sich und ihr Anliegen vorzutragen. Das Spiel ist gut geeignet als Abwechslung bei größeren Events. Wichtig hierbei: Die Namen und Kontaktdaten der Personen aufschreiben, die mit deinem Recruiter*innen sprechen. Wenn möglich, zwischen den Dates kurze Notizen anlegen.

Jobmesse und Talent-Fair

Die wahrscheinlich größte Reichweite wirst du bei Jobmessen bekommen. Sie werden von Drittanbietern organisiert und richten sich entweder an Unternehmen aus einer bestimmten Branche oder an Fachkräfte aus mehreren Industriebereichen. Handwerkskammern und die Wirtschaftsdezernate von Städten sind oft federführend.

Als Unternehmen mietest du hier einen Stand und musst dann mit den anderen Teilnehmer*innen um die Besucher*innen kämpfen. Gerade bei brancheninternen Events wirst du eine Menge Kontakte bekommen, wenn deine Kolleg*innen am Stand aktiv sind. Du kannst oft deine Bekanntheit noch erhöhen, in dem du bei der Job-Messe an Diskussionsveranstaltungen teilnimmst und deine Aktivitäten in den sozialen Medien begleitest.

Übrigens kannst du natürlich eine normale Messe als Recruting-Event nutzen: Es kostet dich meist nur ein weiteres Plakat an deinem Stand und eine Person aus dem Personalmanagement, die Interessierte anspricht.

Der Verband der Deutschen Ingenieure (VDI) veranstaltet seine eigenen Recruiting-Tage in vielen deutschen Städten. So ist für Mai 2021 ein Event in Frankfurt geplant, das sich an jungen Ingenieur*innen und die es werden wollen richtet.

Aus dem Programm: “Der VDI Recruiting Tag in Frankfurt richtet sich an alle wechselwilligen Ingenieure (m/w/d) und IT-Ingenieure (m/w/d), egal ob Young Professionals oder Professionals. Neben der Möglichkeit, potenzielle Arbeitgeber zu treffen, können Sie spannende Vorträge besuchen oder viele kostenfreie Angebote wie die individuelle Karriereberatung und das Bewerbungsfoto-Shooting wahrnehmen.” Wenn du selbst als Unternehmen in diese Branche passt, sind die VDI Nachrichten Recruiting Tage eine gute Gelegenheit, die passenden Kandidat*innen zu treffen.

Der Maschinenbauer HAIMER beteiligt sich beispielsweise regelmäßig an Jobbörsen, Berufsfindungstagen und anderen öffentlichen Veranstaltungen zum Thema Ausbildung. Die Berufsfindungstage in Aichach und Schrobenhausen werden jährlich von HAIMER sogar selbst organisiert und gesponsert. Das Ziel: Als regionaler Arbeitgeber einen Beitrag zur Ausbildungsförderung leisten und damit das Employer Branding verbessern.

Networking als Recruiting-Event

Viele Verbände und Wirtschaftsorganisationen veranstalten gerne Networking-Events, bei denen man dann mit einem Glas in der Hand um einen Tisch herumsteht und mehr oder weniger interessante Reden hört. Statt jemanden aus der Geschäftsführung zu schicken, können das auch Mitarbeiter*innen aus den Human Resources übernehmen. Der Auftrag: Die Augen nach interessanten Kandidat*innen aufhalten, die du eventuell abwerben kannst.

Du kannst sogar selbst solche Networking-Events zu einem beliebigen Thema veranstalten und so Fachkräfte einladen, die du dann deinem Talent-Pool hinzufügen kannst.

Fehler bei Recruiting-Events vermeiden

Ein oft gemachter Fehler bei einem Recruiting-Event ist die aggressive Werbung um Kandidat*innen. Wie beim Produktverkauf solltest du vor allem die Marke darstellen, also dein Unternehmen und was so besonders daran ist, hier zu arbeiten. Die eigentliche Stelle steht dabei im Hintergrund. Versuche die Unternehmenskultur in den Vordergrund zu stellen und welche Zusatzleistungen es gibt. Die Stellenanzeige auf ein Poster zu drucken wird nicht viel Erfolg haben.

Bei Veranstaltungen für junge Menschen solltest du nicht zu cool sein, das kann schnell peinlich werden. Gerade bei etwas konservativen Unternehmen kann das unglaubwürdig wirken. Besser ist es, sich als modern und innovativ zu präsentieren und die Soft Skills bei Mitarbeiter*innen herauszustellen.

Online Recruiting-Events durchführen

Wenn Menschen nicht mehr persönlich zusammenkommen können, müssen Online-Events diese Aufgaben übernehmen. Die Berater*innen von McKinsey haben das erkannt und haben Recruiting-Events kurzerhand ins Web verlegt. So können Interessierte bei der McKinsey On Air – Female Edition von zu Hause aus das Webinar für Karriere-Fragen für deutschsprachige Studierende und Doktorandinnen aus Deutschland und Österreich anschauen. Und sie können natürlich auch Fragen stellen.

Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Online-Events im Recruiting auch nach dem Ende der Corona-Krise bestehen bleiben wird. Das auch vor dem Hintergrund, dass junge Talente eine sehr hohe Online-Affinität haben. Und wenn du ganz vorne im Trend sein willst, richtest du dir einen Talent-Raum bei Clubhouse ein und sprichst über Herausforderungen an junge Menschen und wie deine Firma ihnen dabei helfen kann.

Fazit: Recruting-Events sind ein wichtiger Teil der Talent-Akquise

Wie wichtig Recruiting-Events, online oder an Ort und Stelle sind, zeigt ein Bericht über eine OECD-Studie in der Verkehrsrundschau, einem Fachmagazin für die Branche im Personentransport. In der Studie wird festgestellt:

“Entsprechend wichtig sei es, Schülern frühzeitig ein Bild vom Wandel des Arbeitsmarkts zu vermitteln, etwa durch Praktika und andere Kontakte in die Berufswelt, Berufsberatung oder den Besuch von Jobmessen, so die Experten. Positiv sei, dass solche Aktivitäten heute häufiger stattfinden als noch vor 15 oder 20 Jahren. Dass dennoch nicht einmal 40 Prozent der befragten 15-Jährigen angeben, bereits eine Jobmesse besucht oder ein Praktikum absolviert zu haben, verdeutliche den Bedarf, entsprechende Aktivitäten auszuweiten.”

Recruiting-Veranstaltungen bringen dich also nicht nur zu potenziellen Bewerber*innen, sondern informieren diese auch über die Vielfältigkeit an Berufen und machen sie neugierig. Damit kannst du die ersten Beziehungen knüpfen, und sei es, um Ausbildungsplätze zu besetzen.

Vielleicht interessiert dich auch

Personalbeschaffung

Bewerberauswahl: Welche Methoden sind die besten?

Von Leon Hauber

Personalbeschaffung

Hochschulmarketing: Wie du Studierende gezielt erreichst

Von Julia Saxena

Personalbeschaffung

Die 8 besten Methoden zur Personalrekrutierung

Von Julia Saxena