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6 Recruiting-Strategien, um dich im War for Talents zu behaupten

Wenn immer weniger qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, gleichzeitig aber der Bedarf der Unternehmen steigt, dann kann dies nur eins bedeuten: War for Talents. Besonders in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) herrscht seit langem ein Fachkräftemangel, der den Konkurrenzdruck der Firmen untereinander steigen lässt. 

Wie behauptest du dich im War for Talents? Wie kannst du trotz allem die richtigen Kandidat/innen für deine offenen Stellen begeistern? In diesem Artikel greifen wir dir unter die Arme. Du erfährst die Hintergründe des War for Talents und mit welchen Recruiting-Strategien du jetzt Erfolg haben wirst. Auf geht’s!

Was ist der War for Talents? Eine Definition 

Als War for Talents wird der „Kampf“ um qualifizierte Fachkräfte bezeichnet. Der Begriff wurde bereits 1997 zum ersten Mal in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company verwendet. Der Autor Steven Hankin erkannte schon damals, dass es für Unternehmen zunehmend schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu finden. 

Warum befinden wir uns in einem War for Talents?

Die Entwicklung des War of Talent ist ein schleichender Prozess. Das ein Ende nicht in Sicht ist, wird klar, wenn man sich die folgenden Hintergründe anschaut:

#1 Zunehmender Wettbewerb auf internationaler Ebene 

Durch die Globalisierung konkurrieren die Produkte und Services von Unternehmen nicht mehr nur mit regionalen Anbietern, sondern müssen auf einer internationalen Bühne bestehen. Das bedeutet gleichzeitig, dass hervorragend ausgebildete Fachkräfte und Spezialisten international begehrt sind. 

Talente werden immer flexibler und sind durchaus bereit, für die richtigen Konditionen ins Ausland zu ziehen. Damit Schlüsselmitarbeiter/innen nicht abwandern, müssen sich Unternehmen jetzt Maßnahmen einfallen lassen, die die Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung steigern. 

#2 Demografischer Wandel 

Der demografische Wandel bedeutet, dass in den Industrienationen heute weniger Kinder als früher zur Welt kommen – bei steigender Lebenserwartung. Dadurch erhöht sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung und der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter sinkt. 

Das bedeutet, dass Absolvent/innen, die frisch ins Arbeitsleben eintreten, heute zahlenmäßig einfach weniger Konkurrenz haben. Gleichzeitig gehen die Angehörigen der geburtenstarken Babyboomer Generation (1955 bis 1969) nun in Rente, was den Engpass weiter verschärft. Firmen sollten deshalb schon frühzeitig in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften investieren und diese langfristig an das Unternehmen binden. 

#3 Wissensgesellschaft und Digitalisierung

Durch den rapiden technologischen Fortschritt wandelt sich die Arbeitswelt und damit die Anforderungen an die Arbeitnehmer. In den letzten Jahren sind viele neue Berufsbilder entstanden, die vorher undenkbar schienen. Für gering qualifizierte Kräfte bedeutet dies, dass verfügbare Arbeitsplätze rar werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an hochqualifizierten Talenten. 

Arbeitnehmer müssen jetzt nicht nur spezialisiertes Wissen und Kompetenzen mitbringen, sondern auch das Potenzial sich ständig weiterbilden zu können. Mit der rasanten digitalen Entwicklung sinkt die Halbwertszeit unseres Wissens. Eine Einstellung zum lebenslangen Lernen und die Fähigkeit sich schnell neues Wissen aneignen zu können sind jetzt entscheidend. Nicht alle Arbeitskräfte sind dem gewachsen und Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Lösungen für diese Mitarbeiter/innen zu finden. 

#4 Wertewandel in der Gesellschaft

Während sich frühere Generationen mit Jobsicherheit und einem üppigen Gehalt zufriedengaben, stellen junge Talente heute andere Ansprüche. Die Entlohnung spielt natürlich nach wie vor eine Rolle, ist aber nicht mehr der entscheidende Faktor bei der Jobwahl. Die Art der Arbeit, flexible Arbeitszeitgestaltung, Sonderleistungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten fallen nun stärker ins Gewicht. 

Arbeitnehmer wollen für ein Unternehmen arbeiten, mit dessen Werten sie sich identifizieren können. 58 % der Befragten in einer Studie von ManpowerGroup Solutions gaben an, dass die Marke des Arbeitgebers für sie an Bedeutung gewonnen hat. Durch gezielte Employer Branding Kampagnen können Firmen ihre Attraktivität auf Dauer steigern. 

Wie wirkt sich der War for Talents auf Unternehmen aus?

Die Folgen des War for Talents sind vor allem im Mittelstand zu spüren. Hier schätzte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im Jahr 2017 Umsatzeinbußen von rund 50 Milliarden Euro jährlich. Auch auf den Arbeitsalltag wirkt sich der Fachkräftemangel bereits aus. In einer Umfrage der DZ-Bank gaben Mittelständler an, regelmäßig Aufträge nicht ausführen und Termine nicht einhalten zu können. Mitarbeiter/innen müssten erhebliche Mehrarbeit leisten, um den Mangel auszugleichen. Ganze 85 % der befragten Unternehmen sagten außerdem aus, dass ihr Aufwand für die Mitarbeiterrekrutierung angestiegen ist. Die resultierenden erhöhten Arbeitskosten würden Gewinnmargen reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr bringen. 

Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass qualifizierte Bewerber/innen nun in der besseren Position bei Vertragsverhandlungen sind. Sie können sich oft den Arbeitgeber aussuchen und sind deshalb anspruchsvoller. Daher müssen Firmen jetzt neue Anreize schaffen, um Kandidat/innen für sich zu gewinnen. Altbackene Recruiting-Strategien werden hier nicht zum Erfolg führen. Jetzt ist spitzfindiges Personalmarketing gefragt, um die Attraktivität der Firma als Arbeitgeber zu steigern und die richtigen Bewerber/innen anzulocken. 

6 Recruiting-Strategien für mehr Erfolg im War for Talent

Passiv abwarten, dass geeignete Bewerber/innen auf die geschaltete Stellenanzeige reagieren? Das sollte der Vergangenheit angehören. Nutze lieber die Vielfalt dieser modernen Recruiting-Methoden, um aktiv auf Kandidat/innen zuzugehen.

1. Employer Branding 

Wenn Kandidat/innen sich heute bei Firmen bewerben oder von ihnen angesprochen werden, dann werfen sie nicht nur einen kurzen Blick auf die Unternehmenswebsite. Sie recherchieren in den sozialen Netzwerken und lesen die Beurteilungen auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Kununu oder Glassdoor. Dein Markenimage kann also darüber entscheiden, ob sich qualifizierte Fachkräfte für dein Unternehmen interessieren oder es von vornherein ignorieren. 

Wie baust du eine starke Employer Brand auf? Definiere als erstes, was dein Unternehmen besonders macht, warum es sich lohnt bei dir zu arbeiten, und welche Vorteile du Mitarbeiter/innen bietest. Dann kommuniziere dies nach außen. 

2. Social Media Recruiting

Warum nicht Kandidat/innen dort begegnen, wo sie ohnehin schon viel Zeit verbringen: in den sozialen Medien. Zumindest auf einen Auftritt auf LinkedIn und Xing sollte kein Unternehmen mehr verzichten. Diese Portale bieten die ideale Gelegenheit, eine Vorauswahl von interessanten Talenten zu treffen und mit diesen in direkten Kontakt zu treten. So erreichst du im Endeffekt mehr potenzielle Bewerber/innen als über konventionelle Beschaffungskanäle allein.  

Du kannst soziale Medien vielfältig für deine Recruiting Zwecke nutzen: Spreche gezielt Talente an, veröffentliche deine Stellenanzeigen, betreibe Content und Influencer Marketing und baue einen Talent Pool auf. Erfolgreiches Social Media Recruiting steigert langfristig die Bekanntheit und Reichweite deines Unternehmens.

3. Active Sourcing

Anstatt darauf zu vertrauen, dass geeignete Kandidat/innen deine Stellenanzeigen finden, suchst du beim Active Sourcing proaktiv nach ihnen auf dem Arbeitsmarkt. So kannst du schwer zu besetzende Positionen oft schneller und kostengünstiger füllen als mit klassischen Methoden. Darüber hinaus erreichst du auch passive Kandidat/innen, die im Moment gar nicht aktiv auf der Jobsuche sind. Bedenke jedoch, dass diese Methode sehr zeitaufwendig sein kann. 

Zu den wichtigsten Vorgehensweisen beim Active Sourcing gehört das Profile Mining auf sozialen Netzwerken, die Boolesche Suche über Google und das Durchforsten von Lebenslauf-Datenbanken der Jobbörsen. Aber auch Offline-Kanäle wie Jobmessen und eigene Veranstaltungen eignen sich für die aktive Suche. 

4. Recruiting Videos 

Der Trend zu Videos schwappt langsam aber sicher vom Marketing ins Recruiting über. Mit bewegten Bildern kannst du vor allem junge Generationen besser ansprechen und für dein Unternehmen begeistern. Besonders komplexe Informationen und Emotionen lassen sich in einem Video einfacher in kurzer Zeit vermitteln. 

Gebe mit Videos einen Einblick in den Arbeitsalltag oder lass Mitarbeiter/innen von ihren Erfahrungen und deiner Unternehmenskultur erzählen. Die fertigen Meisterstücke kannst du in deine Stellenanzeigen integrieren und auf den sozialen Medien veröffentlichen. So ist dir mehr Aufmerksam sicher. 

5. Recrutainment

Google machte es 2004 mit seinen Billboard Riddles vor: Die Kombination aus Recruiting und Entertainment ist eine wirkungsvolle Methode der Personalbeschaffung, die garantiert Aufmerksam erhält. Vor allem bei jungen Talenten der Generationen Y und Z ist Recrutainment beliebt. Dabei können Kandidat/innen und Unternehmen auf unterhaltsame Weise mehr voneinander erfahren und testen, ob sie zusammenpassen. 

Wie kann das konkret aussehen? Deiner Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Bei Events, wie dem CodeCaching, kannst du potenzielle neue Mitarbeiter/innen persönlich kennenlernen. Als Online Variante gibt es Tests und Simulationen, die Computerspielen ähneln. Spielerisch, kurzweilig und interessant verpackt, bringen sie Kandidat/innen den Job näher und testen gleichzeitig ihre Fähigkeiten. 

6. Talent Pools

Stell dir vor, für jede offene Stelle müsstest du nur in deinen Talent Pool schauen und den/die beste/n Kandidat/in herausfischen. Wäre das nicht ideal? Mit einem gut gepflegten Talent Pool bist du deiner Konkurrenz, sowie deinem eigenen Personalbedarf immer einen Schritt voraus. 

Diese Datenbank an interessanten Talenten kann mit ehemaligen Praktikant/innen, Werkstudent/innen, Bewerber/innen oder Kontakten aus den sozialen Medien und von Veranstaltungen gefüllt sein. Da du bereits Kontakt hattest, besteht eine Verbindung und die Chance auf eine positive Rückantwort erhöht sich. 

Einen Talent Pool zu erstellen und zu verwalten ist einfacher als du denkst. Hier erfährst du wie es geht

 

Wie Recruiting Software dir hilft, im War for Talents zu gewinnen

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie sich der War of Talents in Zukunft entwickeln wird. Aber in einem sind sich Recruiter einig: Mit modernen Software Lösungen lässt sich der Kampf um die Talente effektiver bestreiten. Wir bei Recruitee setzen alles daran, den Recruiting-Prozess für dich so einfach wie möglich zu gestalten. Du kannst jetzt schneller Talente finden, Aufgaben automatisieren und deinen Erfolg vorhersagen. Probiere es kostenlos aus!

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