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Social Recruiting: Wie man seine besten Kanäle auswählt (und deren maximales Potential erreicht)

Social Recruiting (auch bekannt als Einstellungsprozesse oder Social Media Recruiting) ist heute eine der häufigsten und beliebtesten Strategien von Personalverantwortlichen. Trotz seiner zentralen Bedeutung haben viele Personalvermittler jedoch Schwierigkeiten, genügend Zeit für die Vielzahl an potenziellen, sozialen Rekrutierungsplattformen aufzuwenden. Der Bereich des Social Recruiting wird zunehmend wettbewerbsfähiger. Deshalb müssen Personalvermittelnde und Rekrutierer lernen, wie sie die richtigen Kommunikationskanäle für ihr Unternehmen auswählen und den Zeitaufwand hierfür optimieren können.

Was ist Social Recruiting?

Social Recruiting ist der Prozess der Anwerbung von aktiven und passiven Kandidaten/innen über eine Plattform für soziale Medien. Dazu gehört nicht nur die Stellenausschreibung, sondern auch die Kontaktaufnahme mit potenziellen Bewerbern/innen und der Aufbau einer Arbeitgebermarke (auch Employer Brand genannt) auf diesen Plattformen. Im Jahr 2017 verbrachten die Menschen weltweit durchschnittlich 135 Minuten pro Tag auf Webseiten von sozialen Medien. Angesichts der durchschnittlichen Zeit, die auf sozialen Medien verbracht wird, lohnt es sich dieses Publikum zu erreichen.

Einstellungsprozesse oder Social Media Recruiting sind heute besonders beliebt, weil sie:

  • eine großartige Möglichkeit sind, deine Reichweite zu erhöhen und passive Kandidaten/innen mit einzubeziehen;
  • hervorragend geeignet sind, um Spezialisten/innen und Nischenkandidaten/innen zu erreichen;
  • Kontakt zu und Interaktionen mit potenziellen Kandidaten/innen herstellen;
  • kostengünstige (und manchmal kostenlose) Stellenausschreibungen bieten;
  • und den Aufbau einer Arbeitgebermarke oder die Bekanntmachung in deinem Zielmarkt fördern.

Trotz der Beliebtheit von sozialem Recruiting ist nicht immer klar, wo man die meisten Bewerber/innen erreichen kann und wie man es angemessen einsetzen kann. Vor allem wenn man nach einer bestimmten Art von Kandidat/in sucht.

Im Folgenden geben wir einen umfassenden Überblick über die Kommunikationskanäle des Social Recruiting ( auch einiger nicht so offensichtlicher Kanäle), für welche Art von Kandidaten/innen sie geeignet sind, und geben einige motivierende Tipps, um die besten Ergebnisse in kürzester Zeit zu erzielen.

LinkedIn

Es wäre irreführend, einen Ratgeber für Personalbeschaffungs-Webseiten zu erstellen, ohne zuerst LinkedIn zu erwähnen. LinkedIn ist die wichtigste Anlaufstelle für Social Media Recruiting und um mit der Personalbeschaffung für so ziemlich jeder Art von Position zu beginnen, die du zu besetzen hast. Von einer allgemeinen Stelle, für die ein Studienabschluss erforderlich ist, bis hin zu Stellen in Bezug auf die größten Nischen, wie zum Beispiel Raketen-Wissenschaftler/in. LinkedIn ist eine lebendige Datenbank, die von den Benutzern/innen selbst ständig aktualisiert wird. Aber mehr noch, es ist zu einer Plattform geworden, die sowohl aktive als auch passive Kandidaten/innen anzieht, da sie das Engagement mit Marken, aktuellen Kollegen/innen und ehemaligen Mitarbeitern/innen fördert. LinkedIn hat es geschafft, sich nicht nur als Jobbörse zu etablieren, sondern auch als echte Social Media Recruiting Plattform.

Aufgrund der schieren Anzahl und Breite sowohl aktiver Arbeitssuchender als auch passiver Fachleute, die sich auf der Plattform tummeln, ist LinkedIn weit davon entfernt seine Leistungen umsonst zur Verfügung zu stellen. Personalbeschaffende, die versuchen, potenzielle Kandidaten/innen zu kontaktieren oder in großen Mengen hinzuzufügen, werden schnell auf ein LinkedIn Recruiter-Kontos verwiesen (oder sind sehr schnell nicht mehr in der Lage weitere Kontaktanfragen zu senden). Das LinkedIn Recruiter Lite Konto erlaubt es dir diese Funktionen für ca. 119,99 $ pro Monat unbegrenzt zu nutzen.

Bedenke, dass bereits im Jahr 2015, 92% der Personalvermittelnden LinkedIn genutzt haben. Seitdem ist die Beliebtheit von LinkedIn, insbesondere bei professionellen Talentsuchern/innen, neben dem sozialen Recruiting noch weiter gewachsen. Die Zahl an potenziellen Kandidaten/innen ist enorm, aber eine entsprechende Anzahl an Personalbeschaffenden macht die Plattform wettbewerbsfähig, wenn es um bestimmte Fähigkeiten geht.

Die Entwicklung einer starken Arbeitgebermarke (Employer Branding) durch sowohl LinkedIn als auch anderen Kommunikationskanälen, ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben. Darüber hinaus kannst du in Betracht ziehen, deine Stellenbeschreibungen zu optimieren, um Aufmerksamkeit zu erregen und das Interesse der Nutzer auf LinkedIn zu wecken. Wenn es darum geht, sich als hervorragende/r Arbeitgeber/innen mit großen Chancen darzustellen, lohnt es sich bei LinkedIn mehr Zeit und Aufwand zu investieren, da dies einen großen Unterschied machen kann.

Facebook

Neben LinkedIn hat sich Facebook als eine leistungsstarke Plattform im Bereich Social Recruiting erwiesen. Anfang 2018 hatte Facebook 2,23 Milliarden aktive Nutzer/innen und ist damit einer der beliebtesten Social Media Kanäle der Welt. Zweifellos wird es unter diesen Milliarden von Nutzern/innen sowohl aktive als auch passive Kandidaten/innen geben, die offen für Stellenangebote sind.

Da Facebook im Vergleich zur karriereorientierten Plattform LinkedIn an erster Stelle eine soziale Plattform ist, kann es auf den ersten Blick für Social Media Recruiting ungeeignet erscheinen. Aber genauso wie bei LinkedIn sind auch die Suchfunktionen von Facebook sehr leistungsstark, um Personen anhand der Informationen zu identifizieren, die sie offen im Netzwerk teilen. Die kostenlose Nachrichtenfunktion auf dieser Plattform bietet auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber LinkedIn.

Wenn du die Vorteile des Social Recruiting über Facebook umfassend nutzen möchtest, solltest du die professionellen oder karriereorientierten Gruppen ermitteln, denen deine Zielkandidaten/innen angehören könnten. Diese helfen dir, deine Suche zu fokussieren. Neben der Nutzung von Facebook-Jobs, bieten diese Gruppen zusätzlich eine gute Gelegenheit, um relevante Stellenangebote deines Unternehmens zu teilen.

Top-Tipp: Wie bereits erwähnt, kann es unangenehm sein, Kandidaten/innen über Facebook anzusprechen. Wenn du interessante Bewerber gefunden hast, die sich mit deinen Beiträgen beschäftigen, könntest du nachsehen ob sie ein entsprechendes Profil auf LinkedIn haben. Wenn die Profile gut zusammenpassen, kannst du ihnen benutzerdefinierte Nachricht mit deiner LinkedIn-Einladung senden.

Xing

Xing ist der deutschsprachige Cousin von LinkedIn. Mit über 90% der Nutzer/innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Xing der treibende Motor der DACH-Region, wenn es um Arbeitssuchende geht. Die Profile der talentierten Bewerber/innen auf Xing bieten eine Übersicht über Fähigkeiten und Erfahrungen, was die Suchfunktionen auf der Plattform sehr effizient macht.

Aus Sicht des Social Recruiting ist Xing jedoch eine viel anspruchsvollere Plattform als LinkedIn. Die Benutzer/innen sind hier weniger engagiert (da es weniger soziale Funktionalität gibt), was zu Verzögerungen bei den Antworten von potenziellen Kandidaten/innen führt. Darüber hinaus sind die sozialen Normen für die Annäherung an die Kandidaten/innen viel strenger, was es schwierig macht, mit passiven Kandidaten/innen auf dieser Plattform in Kontakt zu treten. Wenn du nicht speziell nach deutschsprachigen Kandidaten/innen oder Fachkräften suchst, die derzeit in Deutschland ansässig sind, kann es sein, dass du deine Zeit besser damit verbringst, auf anderen soziale Plattformen nach Personal zu suchen.

Twitter

Eine weitere Plattform, die auf rein sozialer Interaktion basiert, scheint eine weitere ungewöhnliche Wahl für die Personalbeschaffung zu sein. Twitter ist jedoch eine beliebte Social Media Recruiting Plattform für potenzielle Kandidaten/innen, um nach Unternehmen und möglichen Stellenangeboten zu suchen. 74% der arbeitssuchenden Twitter-Nutzer/innen überprüfen Firmenprofile und untersuchen ihre Aktivitäten, Beiträge und ihr Engagement.

Sobald  du für dein Unternehmen zum Thema Karriere ein Twitter-Profil erstellt hast, solltest du sicherstellen, dass du Nutzern/innen folgst und dich mit Hashtags beschäftigst, die mit deiner Branche zu tun haben, um deine Social Recruiting Taktiken zu verbessern. Die Verwendung von beliebten (und relevanten) Hashtags, um deine Chancen zu erhöhen, wird dazu beitragen, dein Publikum zu erweitern und die Zahl der Interaktionen mit deiner Karriereseite zu erhöhen. Denk daran, sicherzustellen, dass die Karriereseite auf deiner eigenen Website den Ton und die Marke widerspiegelt, die du auf Twitter bewirbst.

Quora

Ein weiterer ungewöhnlicher Kandidat für soziales Recruiting, ist Quora, eine großartige Plattform, um sich über aktuelle Themen in deiner Zielbranche zu informieren. Warum solltest du nicht an Diskussionen über aktuelle Themen teilnehmen wollen? Häufig werden Experten/innen oder Spezialisten/innen die Fragen beantworten.

Während Quora-Nutzer/innen in erster Linie passive Kandidaten/innen sein werden, werden viele von ihnen die Fragen zu branchenspezifischen Trendthemen beantworten, sehr engagiert und oft über besondere Themen informiert sein. Quora ist eine Plattform, mit der du Benutzer/innen mit LinkedIn vergleichen kannst. Während Quora in den Vereinigten Staaten nach wie vor am beliebtesten ist, kann es hilfreich sein aktuellen Themen in den Branchen deiner Kandidaten/innen zu folgen, um eine gezielte Reichweite auf anderen sozialen Rekrutierungsplattform zu ermöglichen.

GitHub

Unter den Personalvermittelnden, die sich auf die Suche nach Kandidaten/innen in der technischen Entwicklung spezialisiert haben oder diese oft suchen, ist GitHub eine legendäre Quelle für Social Recruiting. GitHub ist eine Open-Source-Codierungsplattform, auf der Entwickler/innen ihre beste Arbeit zeigen und in Teams zu wichtigen Projekten beitragen. Profile sind öffentlich zugänglich, und die Suchfunktion ermöglicht die Suche nach Programmiersprachen, Standort und Followern.

GitHub ist eine spezielle Plattform, die von ihren Nutzern/innen sorgfältig gepflegt wird. Achte darauf, dass du dich an die sozialen Normen auf dieser Plattform hältst. Nachrichten nach dem Kopieren und Einfügen-Prinzip sind verpönt und schlechte Recherchen in Bezug auf potenzielle Kandidaten/innen werden mit verärgerten Nachrichten oder Funkstille beantwortet. Die Überprüfung einzelner Quellen oder Portfolios zu Programmierung mag zwar zeitaufwendig erscheinen, aber sie wird dazu beitragen, eine zielgerichtete Suche zu ermöglichen und hoffentlich zu besseren Reaktionen auf deine Bemühungen in Bezug auf Social Media Recruiting führen.

Stack Overflow

Stack Overflow ist ein weiterer Social Recruiting Hotspot für Entwickler/innen. Wie Quora ist auch Stack Overflow eine Frage- und Antwortseite, die speziell für technische Themen entwickelt wurde. Wenn du häufig auf der Suche nach qualifizierten Entwicklern/innen bist, die offensichtlich schlau genug sind, um die Fragen der Community zu beantworten, kann Social Recruiting auf Stack Overflow eine gute Taktik in deinem Personalbeschaffungsprozess sein.

Stack Overflow bietet jetzt ein Talentkonto, auf dem du Stellenangebote veröffentlichen, Bewerberprofile durchsuchen und eine Unternehmensseite erstellen kannst. Dieses spezialisierte Netzwerk ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, da die jährlichen Angebote bei über 3.000 US-Dollar anfangen.

Meetup

Als soziale Plattform auf der Einzelpersonen Treffen für soziale und professionelle Interessengruppen planen, kann Meetup eine großartige Plattform sein, um dein Social Recruiting Repertoire zu erweitern. Meetup ist sehr einfach zu bedienen. Die Organisatoren erstellen Gruppen, die Treffen veranstalten. Zu jeder Gruppe und Veranstaltung gibt es eine Gruppen-Chat-Funktion, mit der Teilnehmende und Organisatoren/innen Informationen oder Kommentare zum Thema  austauschen können.

Um Meetup zu nutzen, schließ dich örtlichen Fachgruppen in deiner Nähe an oder sogar Bereichen, in denen du möglicherweise nach Kandidaten/innen suchst. Wenn du nach Marketingexperten suchst, überprüfe Marketingevents oder Gruppen in deiner Nähe. Meetup ist eine großartige Möglichkeit, dein Social Media Recruiting durch die Teilnahme an Veranstaltungen wieder zum Laufen zu bringen. Zusätzlich kannst du die Namen der Veranstaltungsteilnehmenden durchsuchen, um diese mit LinkedIn zu vergleichen, oder sogar deine Stellenangebote auf den zugehörigen Pinnwänden der Gruppen/Veranstaltungen veröffentlichen. Dies solltest du jedoch vielleicht zuerst mit den Organisatoren/innen klären!

Medium

Wenn du auf der Suche nach leidenschaftlichen Fachkräften bist, ist Medium eine großartige Quelle für Soziales Recruiting, die du unbedingt ausprobieren solltest. Medium ist eine Plattform, auf der Autoren mit unterschiedlichem Hintergrund Geschichten, Erfahrungen und neue Themen oder Ereignisse austauschen können. Das Themenspektrum von Medium ist breit gefächert, wobei die Fachexperten/innen mit ihren einzigartigen Perspektiven glänzen können. Ob du nun nach rechtlicher Beratung oder Designern/innen suchst, Medium kann ein großartiger Ort sein. Hier kannst du Leute finden, die sich leidenschaftlich für das, was sie tun, interessieren.

Sobald du potenzielle Kandidaten/innen gefunden hast, kannst du ihnen eine gezielte Kontaktaufnahme über den Kommunikationskanal deiner Wahl schicken, um die nächste Phase deines Sozialen Recruitings einzuläuten.

 

Kommunikationskanäle mit der besten Leistung vorhersagen

Soziale Plattformen bieten eine großartige Gelegenheit für Personalvermittelnde, nicht nur um Kandidaten/innen zu finden, sondern auch um mit ihnen in Kontakt zu treten. Die Angst, Bewerber/innen zu verlieren, kann einige dazu bringen, sich so zu fühlen, als müssten sie alle Kommunikationskanäle nutzen und auf allen Kommunikationskanälen präsent sein. Das ist jedoch nicht der richtige Weg.  Stattdessen solltest du überprüfen, welche Plattformen für Social Media Recruiting für dein Unternehmen am besten geeignet sind.

Eine detaillierte Bewerberquellen-Analyse kann eine sehr hilfreiche Methode sein, um festzustellen, wie du deine Zeit am besten investierst. Wenn du Kandidatenprofile aus verschiedenen Kanälen importierst (natürlich mit Zustimmung der Kandidaten), solltest du die Plattform, auf der du sie ursprünglich angesprochen hast, im Blick behalten. Auf diese Weise kannst du bei der Abfrage deiner Berichte sehen, welche Kommunikationskanäle für deine Personalbeschaffungs-Strategie am erfolgreichsten waren.

 

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