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Videobewerbung: worauf Personaler achten sollten

Warum du Videobewerbungen ermöglichen solltest

Ein innovatives Unternehmen zeichnet sich nicht nur durch eine zeitgemäße Arbeitsweise aus. Auch der Recruiting-Prozess zur Mitarbeitergewinnung sollte auf eine zukunftsorientierte Basis gestellt werden. So lassen sich die Vorteile des digitalen Zeitalters auch bei Bewerbungen nutzen.

Egal, ob aufstrebendes eCommerce-Unternehmen oder traditionelle Versicherung – neuartige Formen der Bewerbung haben in jeder Branche ihren Platz. Die klassische Art der schriftlichen Bewerbung wird vielleicht schon in wenigen Jahren ausgedient haben.

Bislang lieferte die Bewerbung einen distanzierten und statischen Eindruck vom potenziellen Mitarbeiter. Im Zuge technischer Weiterentwicklungen musst du dich als Recruiter damit nicht mehr zufriedengeben. Wie wäre es, wenn du von deinen Bewerbern ein Bewerbungsvideo einfordern würdest?

Ein verkrampftes Anschreiben sagt schließlich gar nichts über den Charakter einer Person aus. Über das Smartphone lässt sich ein Bewerbungsvideo heutzutage einfach realisieren, sodass technisch gesehen die Hürde gering sein dürfte.

Doch was macht das Bewerbungsvideo so interessant? Welchen Kandidaten spricht der Arbeitgeber damit favorisiert an? Was kann der Personaler bei Einsendung einer audiovisuellen Bewerbung vom Bewerber erwarten und welche Vor- und Nachteile haben Videobewerbungen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema „Videobewerbungen“ findest du im nachfolgenden Artikel.

Vorteile und Nachteile von Videobewerbungen

Der zentrale Vorteil von Videobewerbungen ist die Tatsache, dass Du den Bewerber sofort viel besser einschätzen kannst. Die Persönlichkeit des Videobewerbers tritt in den Vordergrund. Bewegungen und Sprache lassen bessere Rückschlüsse zu, als ein bedrucktes Blatt Papier.

Ein weiterer Vorteil liegt daran, dass du auf ein Vorstellungsgespräch im Zweifel verzichten kannst. Durch die Videobewerbung musst du nicht mehr mit zahlreichen Terminen jonglieren, sondern kannst die Bewerber schon vorab gezielter selektieren.

Natürlich gibt es auch Nachteile zu verzeichnen. Auch im digitalen Zeitalter kann man noch nicht davon ausgehen, dass wirklich jeder Bewerber auf die Schnelle ein Video drehen kann oder möchte. Nicht jeder kann direkt über seinen Schatten springen und sofort ein Video von sich einreichen. Einige gute Bewerber schreckt die Videobewerbung daher eventuell ab. Eventuell sind sogar Datenschutzbedenken im Spiel. Daher gilt es für Transparenz zu sorgen und den Bewerber über die Vertraulichkeit seines Bewerbungsvideos zu informieren.

Ein letzter Nachteil für dich als Recruiter ist der unter Umständen erhöhte Zeitaufwand beim Durchsehen der Bewerbungen. Daher solltest du für die Videobewerbungen eine maximale Länge festlegen.

Möglich ist auch, dass du über den Lebenslauf bereits eine Vorabauswahl triffst. Dann schaust du dir nur die Kandidaten an, die du nicht direkt aussortiert hast. Bei einigen „Wackelkandidaten“ kannst du dir dann immer noch über das Video einen besseren Eindruck verschaffen. So kannst du vielleicht einen tollen Bewerber entdecken, den du sonst nie zum Gespräch eingeladen hättest.

Gibt es weitere Alternativen zur klassischen Bewerbung?

Eine von vielen Recruitern angebotene Bewerbungsform ist die Kurzbewerbung. Diese Art der Bewerbung enthält praktisch keine persönlichen Aspekte. Sie ist kurzgehalten und bezieht lediglich ein Anschreiben sowie den tabellarischen Lebenslauf ein. Auf umfangreiche Bewerbungsmappen wird verzichtet.

Die Kurzbewerbung dient nur dazu, um geeignete Kandidaten für die Stelle von ungeeigneten (anhand vorher festgelegter Kriterien) zu trennen. Den Menschen hinter der Bewerbung lernt man so richtig erst bei einem Vorstellungsgespräch kennen.

Die Initiativbewerbung vergrößert den Arbeitsumfang des Personalers und ist zumeist sehr kreativ gehalten. Sie gehört zu den aussterbenden Bewerbungsformen. Zum einen werden die Anforderungsprofile an einen Job immer genauer. Zum anderen hast du als Recruiter einfach nicht die Zeit, um so viele nicht standardisierte Bewerbungen zu durchforsten.

Sinnvoll ist es, im Bewerbungsprozess komplett auf Papier zu verzichten. Die E-Mail-Bewerbung vereinfacht den Recruiting-Prozess und auch Bewerber nutzen diese Möglichkeit gerne. Erstelle am besten eine kreative und ansprechende Karriereseite, die verschiedene Formen der Bewerbung ermöglicht. Mit einer Softwarelösung wie der von Recruitee musst du nicht programmieren können, um tolle Designs zu erstellen.

In der erweiterten Form stellen Personaler dem Bewerber eine Online-Plattform bereit. Hier kann der Kandidat seine Bewerbung direkt eingeben, Videos aufnehmen und Anhänge hochladen. So wird sichergestellt, dass alle Bewerbungen in die optimale Form gebracht werden, was für dich als Personaler den Aufwand reduziert.

Wie üblich sind Videobewerbungen inzwischen?

Die Videobewerbung ist zwar ein Trendthema, so richtig durchgesetzt haben sie sich aber bisher nicht. Als üblich kann man dieses Verfahren noch lange nicht bezeichnen. Im Zuge eines durchdachten Employer Brandings kannst du dich mit dem Verfahren der Videobewerbung also noch deutlich abgrenzen. Die technische Hürde ist seit der flächendeckende Verbreitung von Smartphones zumindest klein.

Für wen eignet sich die Videobewerbung?

Eine Videobewerbung ist vermutlich bei jüngeren Bewerbern beliebter als bei älteren. Die Videobewerbung ist aber vor allen Dingen deshalb bei jüngeren Bewerbern ein großartiges Mittel, da diese oftmals noch über keinen aussagekräftigen Lebenslauf verfügen.

Ein freiwilliges, soziales Jahr, das Studium an einer Uni und ein halbjähriges Praktikum – ab ins Berufsleben! Auf dem Papier sind die Bewerbungen von Absolventen und Young Professionals meist noch etwas dünn und austauschbar. Mit einer Videobewerbung kannst du die Bewerber besser einschätzen. Es wird auch ein Stück weit verhindert, dass Mama und Papa ihrem Junior noch kräftig beim Anschreiben unter die Arme gegriffen haben.

Was du von Videobewerbern erwarten kannst

Videobewerber beweisen auf jeden Fall eines: Mut! Sie zeigen sich mit allem, was sie zu bieten haben. Wer ein ängstlicher Mensch ist, entscheidet sich eher nicht für eine Videobewerbung. Daher kannst du schon durchaus von einem selbstbewussten Bewerber ausgehen.

Je weniger stockend die Bewerbung ist, desto sprachgewandter und sicherer ist der Bewerber. Für Jobs mit Kundenkontakt ist das wichtig. Darauf zu achten ist jedoch, ob der vorgetragene Text auswendig gelernt ist oder gar abgelesen wird. Zudem sollte der Bewerber etwas Zeit auf die Vorbereitung seines Textes verwandt haben. Ein flüssiger Vortrag darf erwartet werden.

Auch die Qualität der Aufnahme muss natürlich stimmen. Videobewerbungen in schlechter Bild- und Klangqualität zeugen nicht von hohem Engagement. Allerdings solltest du hier auch ein wenig Gnade walten lassen. Einen guten Bewerber aufgrund einer ruckelnden Kamera auszuschließen wäre fatal.

Die Kleidung sollte zum Unternehmen passen, aber gleichzeitig die Persönlichkeit des Bewerbers unterstreichen. In einem Video findet man schnell heraus, ob der Bewerber sich in seiner Rolle wohl fühlt.

Wie professionell sollte das Bewerbungsvideo sein?

Als erfahrener Recruiter solltest du dich nicht von einer perfekt gestalteten Videobewerbung blenden lassen. Wenn gewisse Grundregeln eingehalten werden, ist der erste Eindruck allerdings natürlich gesichert – und dieser sagt auch schon einiges über den Bewerber aus.

Es beginnt bereits mit dem Transportmedium: Auf welche Art übermittelte der Arbeitnehmer seine Videobewerbung? Auf einem Stick, DVD oder als Anhang einer E-Mail? Wenn du dich davon nicht irritieren lassen möchtest, solltest du gegebenenfalls direkt ein einheitliches Format einfordern. Mit Recruitee hast du die Möglichkeit, die Videobewerbung über die Software als standardisiertes Format in den Bewerbungsprozess einzuführen.

Beim Betrachten des Videos wird deutlich, wie viel Mühe sich der Bewerber gegeben hat. Wenn du nicht auf der Suche nach einem Video-Blogger bist, muss das Video natürlich nicht perfekt sein. Aber wenn der Ton auf einmal komplett hakt oder der Bewerber permanent mit einem Teil seines Gesichtes außerhalb des Videobereiches liegt, zeugt das nicht von einer professionellen Einstellung. Auch der Hintergrund sollte idealerweise einfarbig sein und andere Personen sollten nicht durchs Bild laufen.

Was verrät die Körpersprache über einen Kandidaten?

Im Vorstellungsgespräch ist es wie in Bewerbungsvideos: Die Körpersprache sagt sehr viel über den Charakter aus. Sitzt der Kandidat aufrecht oder wirkt er gebückt? Menschen mit gebückter Haltung gelten als verunsichert. Verschränkte Arme symbolisieren zudem Verschlossenheit und eine abwehrende Haltung gegenüber der Situation.

Schaut der Kandidat seitlich ins Bild oder frontal? Eine frontale Ausrichtung, direkt an den Personaler gerichtet, wirkt selbstbewusst. Der Blick von der Seite deutet auf Schüchternheit oder gar Unehrlichkeit hin.

Manche Menschen können Lügner anhand der Augenbewegungen relativ zuverlässig entlarven. Bewegt der Bewerber seine Augen nach links oben, dann konstruiert er sich gerade eine Geschichte. Wandern sie nach rechts oben bedeutet, dass er sich an etwas erinnert.

Aber Achtung! Wenn du dich zu sehr auf die Körpersprache des Bewerbers versteifst, tust du ihm vielleicht Unrecht. Versuche nicht jedes Detail zu deuten, sondern lasse dich eher vom Gesamteindruck leiten.

Was gehört zur Videobewerbung dazu?

Ausschließlich auf eine Video-Datei bei der Bewerbung zu setzen, ist vermutlich nicht praktikabel. Ein ordentlicher Lebenslauf ist trotzdem Pflicht. Die Videobewerbung ist eher das ergänzende Element und ersetzt z.B. das traditionelle Anschreiben.

Dokumente wie Praktikumsbescheinigungen und (Arbeits-)Zeugnisse müssen nicht zwangsläufig direkt mitgesendet werden. Welche Note der Bewerber in seinem Studiengang hatte und wo er vorher beschäftigt war, wird er mit Sicherheit auch im Lebenslauf deutlich machen. Der Nachweise dafür kann immer noch später eingefordert werden.

Wie lang sollte die Videobewerbung sein?

Wer sich binnen weniger Minuten optimal darstellen kann, der ist sofort in der engeren Wahl. Über Sympathie entscheidet das Gehirn schon innerhalb der ersten Sekunden. Um dem Kandidaten eine faire Chance zu geben einen guten Eindruck von sich zu vermitteln, sollte das Video mindestens eine Minute lang sein.

Um die Videobewerbungen ein wenig zu vereinheitlichen, kannst du einen festen Fragenkatalog definieren, den die Bewerber abarbeiten müssen. So werden die Bewerbungen noch besser miteinander vergleichbar.

Möglich ist es auch, zwei verschiedene Videos einzufordern. Das erste ist als kurzes Vorstellungsvideo gedacht (ca. 30 Sekunden), sodass du problemlos jeden Bewerber kurz anschauen kannst. Die längere Verfassung wird dann nur bei Kandidaten unter die Lupe genommen, die einen guten Eindruck hinterlassen haben.

Welche technischen Möglichkeiten gibt es für eine Videobewerbung?

Manche Bewerber werden vielleicht das Video selbst zuhause mit dem Smartphone drehen, während andere eine professionelle Kamera oder gar einen Service nutzen.

Es ist ratsam, dass du gewisse Einschränkungen vorgibst, sodass die Chancen für alle gleich sind. Verbiete z.B., dass das Video geschnitten wird und dass verschiedene Kameraperspektiven genutzt werden.

Ein bisschen Kreativität ist mit Sicherheit erlaubt. Aber es geht nicht darum, einen Filmpreis zu gewinnen, sondern eine solide Bewerbung abzugeben. Die Optik soll nicht über den Inhalt hinwegtäuschen. Allerdings kannst du eine gewisse Vorbereitung des Videos erwarten. Gute Ausleuchtung, ein angemessener Hintergrund und ein Stativ statt einem spontanen, verwackelten Video draußen im Gehen sind durchaus keine übertriebene Anforderung.

Modernisierung des Bewerbungsprozesses

Abschließend lässt sich festhalten, dass Videobewerbungen eine Möglichkeit darstellen, um den Bewerbungsprozess zu modernisieren und persönlicher zu gestalten.

Ein Bewerbungsvideo kann das persönliche Gespräch ersetzen und vermittelt einen guten Eindruck von der Person, die sich bei dir bewirbt.

Allerdings besteht auch die Gefahr, dass zu viel in das Video hineininterpretiert wird (z.B. in Bezug auf die Körpersprache). Auch die Qualität des Videos kann über den eigentlichen Inhalt hinwegtäuschen.

Daher sollten Videobewerbungen immer strukturiert aufgebaut werden, damit sie gut vergleichbar sind und eine faire Gegenüberstellung der Kandidaten ermöglichen.

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