Kandidatenerfahrung Mehr Artikel

Gehaltsgespräch als Arbeitgeber: 8 Tipps für Chefs

Mai 15, 2019

author:

Gehaltsgespräch als Arbeitgeber: 8 Tipps für Chefs

11 min read

8 Tipps für mehr Wertschätzung im Gehaltsgespräch 

Der Ablauf und Ausgang eines Gehaltsgespräches hat einen großen Einfluss auf die Motivation eines Mitarbeiters. Wer schon länger bei einer Firma ist und immer vollen Einsatz zeigt, wird sich irgendwann nach einer möglichen Gehaltserhöhung erkundigen. Aber schon im Jobinterview ist ein Gehaltsgespräch heikel: Gute Kandidaten verlangen eventuell mehr, als du bereit bist zu zahlen. So kann es passieren, dass eine Einstellung einzig am Faktor Geld scheitert. Oder aber der Kandidat lässt sich zunächst auf ein geringeres Gehalt ein – und ist dann dauerhaft unzufrieden.

Wir geben dir in diesem Artikel eine Reihe von Tipps an die Hand, die du als Chef bei einem Gehaltsgespräch beherzigen solltest. Du lernst im Folgenden, wie du Transparenz und Perspektive schaffst, welche Alternativen es zu einem höheren Gehalt gibt und wie du im Zweifel auch eine Ablehnung des Anliegens kommunizierst.

Tipp 1: Gute Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch

Ein so sensibles Thema wie das Gehalt deines Mitarbeiters solltest du als Chef ernst nehmen. Nimm dir ausreichend Zeit für die Vorbereitung und Durchführung des Gespräches. Wenn es sich um ein Vorstellungsgespräch handelt, plane das Gehaltsgespräch als festen Bestandteil ein und nimm dir Zeit dafür.

Schau dir im Vorfeld des Gesprächs für eine Gehaltserhöhung an, was der Mitarbeiter in den letzten Monaten für dein Unternehmen geleistet hat und habe Fakten und Zahlen parat. So bekommt der Mitarbeiter den Eindruck, dass du dich auch wirklich mit seinem Anliegen auseinandergesetzt hast.

Im Vorstellungsgespräch hast du diese Grundlage nicht. Arbeite stattdessen den Lebenslauf des Kandidaten durch und schau dir genau an, welche Qualifikationen er mitbringt. Um den Überblick zu behalten, hilft dir unsere Recruitment-Software Recruitee. Kandidaten sind in ihren Qualifikationen direkt vergleichbar, und alle Eckpunkte des Lebenslaufs sind jederzeit für alle Mitglieder deines Teams einsehbar. So weißt du vor dem Gehaltsgespräch auf einen Blick, wie der Kandidat im Vergleich zu anderen abschneidet, und welches Gehalt gerechtfertigt ist.

Bevor du in die tatsächliche Gehaltsverhandlung einsteigst, versichere dich durch Rückfragen, welche Arbeiten und Aufgaben er tatsächlich bei seinen vorherigen Arbeitgebern durchgeführt hat, und was im Lebenslauf beschönigt wurde. 

Es ist eine Frage der Wertschätzung, dass Chefs die Leistungen ihrer Mitarbeiter genau unter die Lupe nehmen. Beachte auch weitere Argumente, die ein Mitarbeiter vielleicht im Gespräch über die  Gehaltsforderungen anführt. Wertschätzung ist tatsächlich einer der Hauptmotivatoren für Angestellte eines Unternehmens und für Viele wichtiger als ein hohes Gehalt.

Tipp 2: Beachte das Gehaltsgefüge

In den meisten Verträgen ist es vermutlich verboten, und doch lässt es sich nicht vermeiden: Mitarbeiter reden untereinander über die Höhe ihrer Gehälter. Zum Problem wird dies aber nur, wenn einige Mitarbeiter sich durch ein undurchsichtiges Gehaltsgefälle ungerecht behandelt fühlen.

Ist das Gehaltsgefüge in deiner Firma im Gleichgewicht? Gibt es eine vernünftige Hierarchie (z.B. Junior, Senior und Head of), um Gehaltsunterschiede mit Verantwortung bzw. Seniorität zu erklären? Dann bietet dieses Thema auch in der Regel wenig Zündstoff.

Wenn jedoch Mitarbeiter mit fast deckungsgleichen Aufgaben, ähnlichen Qualifikationen und vielleicht sogar der identischen Jobbezeichnung deutliche Unterschiede auf Ihren Lohnabrechnungen feststellen, wird es zu Konflikten kommen. Es hat sich gezeigt, dass vielen Mitarbeitern die absolute Höhe ihres Gehaltes nicht einzig und allein wichtig es. Mindestens genauso viel Wert wird daraufgelegt, dass das Gehalt im Vergleich mit anderen Kollegen nicht zu niedrig ausfällt. 

Wer deutlich weniger als die Kollegen verdient, nur weil er vielleicht im Einstellungsgespräch mit dem Chef etwas schlechter verhandelt hat, wird wohlmöglich über mangelnde Wertschätzung klagen und seine Motivation wird leiden.

Tipp 3: Lege die Kriterien für die Höhe des Gehalts fest

Schaffe Transparenz, damit bestehende und zukünftige Mitarbeiter die Höhe ihres Gehalts nachvollziehen können. Formuliere am besten einen Katalog mit Kriterien, an denen sich das Gehalt eines Mitarbeiters bemisst. Dieser wird später auch für Gehaltsverhandlungen um eine Gehaltserhöhung verwendet. Denn Mitarbeiter, die mit einem geringeren Gehalt als gewünscht einsteigen, werden sich direkt nach den Möglichkeiten für eine spätere Gehaltserhöhung erkundigen. Um Vertrauen zu schaffen und den Kandidaten von dir zu überzeugen, solltest du die Kriterien daher schon im Gehaltsgespräch im Jobinterview parat haben.

In einem solchen Katalog für das Gehaltsgespräch gibt es sowohl objektive, als auch subjektive Kriterien. Du kannst z.B. festlegen, dass das Gehalt mit steigender Zugehörigkeit zur Firma um einige Prozent pro Jahr angehoben wird. Dies wäre ein objektives Kriterium.

Auch die Bildung kann zu den objektiven Kriterien gezählt werden. Wer höher qualifiziert ist und sich gegebenenfalls weiterbildet, kann auf ein höheres Gehalt hoffen. Allerdings muss hier auch sichergestellt sein, dass die Art der (Weiter-)Bildung mit den Aufgaben im Unternehmen zusammenpasst.

Ein subjektives Kriterium ist z.B. die Arbeitsleistung des Mitarbeiters. Vieles lässt sich heute digital erfassen. Der Vergleich von quantifizierbaren Leistungsdaten bietet sich aber nicht in jeder Situation an. Häufig ist die Einschätzung des Chefs oder Vorgesetzten ein wesentlicher Bestandteil der Leistungsbeurteilung.

Du oder andere Vorgesetzte deiner Firma müssen sich einig werden, wie die Evaluation der Arbeitsleistung von Mitarbeitern erfolgen soll. Nur so ist es möglich – trotz der unvermeidbaren Subjektivität – zumindest einigermaßen eine gewisse Vergleichbarkeit herzustellen.

Wenn du den Katalog fertiggestellt hast, kannst du dich im Gehaltsgespräch darauf beziehen und somit untermauern, dass Gehaltsanpassungen in deiner Firma nicht willkürlich vorgenommen werden, sondern genauen Richtlinien unterliegen. Das schafft Vertrauen und führt zu mehr Zufriedenheit unter den Mitarbeitern.

Tipp 4: Mehrere kleine, statt eine große Gehaltserhöhung

Erfüllt ein Mitarbeiter eines oder mehrere Kriterien, die du als Voraussetzung für eine Gehaltserhöhung festgelegt hast? Dann solltest du ihm auch diese zukommen lassen. Dieses Vorgehen solltest du schon direkt im Gehaltsgespräch im Jobinterview erwähnen. So weiß dein zukünftiger Mitarbeiter gleich, was ihn in deinem Unternehmen erwartet, und das es sich lohnt, von Anfang an das Beste zu geben.

Achte aber darauf, dass du das Gehalt lieber in kleinen Schritten anhebst und dafür öfter, als nach langer Zeit eine große Anpassung vorzunehmen. Die Gehaltserhöhungen solltest du immer mit viel Lob und Wertschätzung verbinden, um deinen Mitarbeiter weiter zu Höchstleistungen anzuspornen. 

Ebenso solltest du den Grund dafür nennen, wieso sich der Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung verdient hat. So erkennt der Mitarbeiter, das seine Leistung direkt honoriert wird und wird auch weiterhin volle Leistungsbereitschaft für dein Unternehmen zeigen. 

Tipp: Eine deutliche Anpassung des Gehaltes sollte nur erfolgen, wenn das Gehalt des Mitarbeiters bisher komplett außerhalb des Gehaltsgefüges lag. 

Tipp 5: Den Wunsch nach mehr Gehalt nicht einfach abschmettern

Es lässt sich manchmal nicht vermeiden, dass du als Chef den Wunsch nach mehr Gehalt ablehnen musst. Du solltest dieses Thema aber sensibel behandeln. Bedenke, dass bestehende Mitarbeiter vermutlich lange überlegen, bevor sie das Gehaltsgespräch mit dir suchen.

Noch schwerer fällt es meist Kandidaten im Vorstellungsgespräch: sie möchten ihre Chance auf den Job nicht mit überzogenen Gehaltsvorstellungen gefährden. Wenn sie es doch tun, ist dieser Schritt meist wohlüberlegt. Es könnte der Motivation einen herben Dämpfer versetzen, wenn du dieses Anliegen ohne Argumente einfach abschmetterst.

Versuche stattdessen, im Gehaltsgespräch deine Entscheidung (z.B. mit Verweis auf den Kriterienkatalog) durch stichhaltige Argumente zu untermauern. Zeige dem Kandidaten oder Mitarbeiter zudem eine Perspektive auf. Was muss der Mitarbeiter in Zukunft leisten, damit du eine Gehaltserhöhung in Betracht ziehst? 

Vielleicht geht es dem Kandidaten oder Mitarbeiter aber auch gar nicht unbedingt um mehr Geld. Häufig steckt der Wunsch nach Anerkennung hinter einer Gehaltsforderung. Zudem gibt es einige Zusatzleistungen, um die Leistung und Qualifikation eines Mitarbeiters zu würdigen, ohne ein höheres Gehalt zu gewähren.

Biete dem Mitarbeiter kostenlose Fortbildungen, mehr Urlaub, eine Betriebsrente, flexiblere Arbeitszeiten oder auch einfach eine Änderung der Stellenbezeichnung an, um seinen Status zu verbessern.

Ein Beispiel: Stell dir vor, ein Mitarbeiter kommt auf dich zu und fordert im Gehaltsgespräch mehr Geld, weil er Nachwuchs erwartet und dementsprechend höhere finanzielle Verpflichtungen hat. Statt das Gehaltsgefüge mit einer (unrechtmäßigen) Gehaltserhöhung zu sprengen, kannst du ihm stattdessen anbieten, mehr von zuhause aus zu arbeiten – sofern das möglich ist. Dein Mitarbeiter wird es mit Sicherheit wertschätzen, dass du als Chef auf seine persönliche Situation eingegangen bist.

Tipp 6: Im Gehaltsgespräch gemeinsame Ziele aufstellen

Bereits im vorherigen Absatz wurde erklärt, dass du Kandidaten im Vorstellungsgespräch und bestehenden Mitarbeitern eine Perspektive aufzeigen solltest. So wird klar ersichtlich, wie der Wunsch nach einem höheren Gehalt verwirklichen werden kann. Ihr solltet daher gemeinsam Ziele aufstellen und eine mögliche Gehaltserhöhung an das Erreichen dieser Ziele koppeln.

Wichtig ist hierbei, dass die Ziele im Gehaltsgespräch so konkret wie möglich formuliert werden. Nur so können Erfolg und Misserfolg voneinander abgegrenzt werden. Wenn du nur vage Formulierungen und grobe Umschreibungen verwendest, ist später zu viel Spielraum zur Interpretation gegeben.

Beispiel für ein schlechtes Ziel: „Neue Kunden gewinnen“

Beispiel für ein gutes Ziel: „Neue Kunden mit einem gesamten Umsatzvolumen von 1.000.000€ bis September 2019 akquirieren“.

Auch die Übernahme von Führungsverantwortung oder anderen Aufgaben (z.B. Ausbildung, interne Weiterbildung etc.) kann ein Grund für eine Gehaltserhöhung sein.

Wichtig: Nach Erreichen der Ziele oder Übernahme neuer Aufgaben mit größerer Verantwortung solltest du mit der Gehaltserhöhung auch nicht lange zögern. Wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass du die Gehaltserhöhung bewusst aufschiebst, könnte dies euer Vertrauensverhältnis beschädigen.

Tipp 7: Mache die Berechnung des Gehaltes transparent

Vielleicht kommt irgendwann ein Mitarbeiter auf dich zu und fordert mehr Gehalt, weil er das Gefühl hat, dass die Firma sehr viel an ihm verdient und er nur wenig daran partizipiere. Bereite dich auf ein solches Gehaltsgespräch vor und halte die passenden Argumente bereit, indem du immer das passende Zahlenmaterial griffbereit zur Verfügung hast.

Unrealistische Gehaltsvorstellungen solltest du im Rahmen der Gehaltsverhandlung freundlich aber bestimmt entkräften, indem du die Berechnungsgrundlage für das Gehalt offenbarst. Lege dir belastbare Gegenargumente für die Verhandlung zurecht, damit du im Gehaltsgespräch souverän auftreten kannst.

Ein Beispiel: Stelle dir vor, du hast einen Mitarbeiter, der 30€ pro Stunde verdient und einen Deckungsbeitrag pro Stunde in Höhe von 100€ erzielt. Der Mitarbeiter kommt nun in dein Büro und äußert seinen Unmut darüber, wieso er „weniger als die Hälfte“ vom erwirtschafteten Deckungsbeitrag erhält.

Zunächst einmal solltest du ihm im Gespräch erklären, dass von den 100€ Deckungsbeitrag noch viele weitere Dinge gezahlt werden müssen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Büromiete, Stromkosten etc.
  • Mitarbeiter in Buchhaltung und Controlling
  • Investitionen in Innovationen, Weiterbildungen etc.

Darüber hinaus solltest du darstellen, wie viel dich seine Arbeitsstunde wirklich kostet. Manchen Arbeitnehmern ist nicht unbedingt klar, dass der Arbeitgeber noch hohe Lohnnebenkosten zu tragen hat. Wenn man hier vereinfach von rund 20% ausgeht, steigen die Kosten pro Stunde bereits auf 36€ an.

Zudem vergessen manche Mitarbeiter schnell, dass sie Ihr Gehalt auch im Urlaub weiterhin erhalten und ebenso für den Krankheitsfall abgesichert sind. Wenn man – wieder vereinfacht – davon ausgeht, dass ein durchschnittlicher Mitarbeiter bestimmt 6 Wochen im Jahr gar nicht arbeitet, steigen die kalkulatorischen Kosten pro Stunde auf über 40€ an.

Wenn du die Situation im Gehaltsgespräch transparent darstellst und überzeugende Argumente hast, wirst du auch auf das Verständnis deiner Mitarbeiter hoffen können. Hast du deine Zahlen im Griff, kannst du deinen Angestellten mit Sicherheit einen Rahmen nennen, innerhalb dessen Gehaltsverhandlungen zur Höhe des Gehaltes sinnvollerweise erfolgen können. Überzogene Forderungen und die aus der Ablehnung resultierende Unzufriedenheit und verminderte Leistung der Mitarbeiter können somit verhindert werden.

Tipp 8: Wertschätzung ist im Gehaltsgespräch enorm wichtig

Du wirst nicht jedem Wunsch nach einem höheren Gehalt nachkommen können. Wichtig ist aber, dass du im Gehaltsgespräch immer bekräftigst, dass du die Leistung und Qualifikation des Mitarbeiters oder Kandidaten würdigst. 

Erkläre Kandidaten im Vorstellungsgespräch, das ein geringeres Gehalt nicht auf ihre Qualifikation, sondern das Gehaltsgefüge in deinem Unternehmen zurückzuführen ist. Stelle für einen bestehende Mitarbeiter klar, dass du ihn als wertvollen Teil des Teams erachtest und lobe ihn im Gespräch angemessen für seine bisherige Arbeit. 

Falls das Budget grundsätzlich vorhanden ist, solltest du genau erläutern, was du in Zukunft vom Mitarbeiter erwartest, damit dieser sich Hoffnungen auf eine Gehaltserhöhung machen kann. Vermeide aber auf jeden Fall leere Versprechungen und stehe als Chef zu deinem Wort. So weiß der Mitarbeiter, dass er sich stets auf deine Aussagen und Ankündigungen verlassen kann.

Ein führender Blog rund um Tech-Trends im Bereich HR. Der Recruitee Blog berichtet über die neuesten Innovationen aus den Bereichen Mitarbeitergewinnung, Automatisierung von Recruitment-Prozessen und AI-basiertem Recruitment.
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.